EU will Textil-Krise schnell beilegen

- Brüssel/Peking - Die EU-Staaten wollen rasch die zugespitzte Textil-Krise mit China beilegen. Darauf verständigten sich Handelsexperten der Mitgliedstaaten am Mittwoch bei einem Treffen in Brüssel, wie die EU-Kommission nach der Sitzung des zuständigen Ausschusses mitteilte. Das Treffen war um einen Tag vorverlegt worden, da am Mittwoch gleichzeitig EU-Diplomaten nach China reisten, um mit der Regierung in Peking über die Lage zu beraten. Aus chinesischer Sicht hängt eine Lösung der Krise vor allem von der Höhe der Lieferungen ab, die vom europäischen Zoll festgehalten werden.

Hintergrund ist, dass die im so genannten Schanghai-Abkommen festgelegten Importquoten für sechs Arten von Textilien für 2005 bereits erschöpft sind: Pullover, Hosen, Damenblusen, Büstenhalter, Leingarn und T-Shirts. Bestellte Ware, die schon unterwegs ist, kann nicht in mehr in die EU gelangen, wenn der Händler keine Importlizenz für die Ware vorweisen kann. Vor allem die Regierungen Deutschlands, der Niederlande, Schweden und Dänemarks dringen darauf, mehr Einfuhren zuzulassen, da der Textilhandel schon jetzt hohe Verluste beklagt.

Die erste Aufgabe in den am Donnerstag beginnenden Gesprächen der Experten in Peking sei es, das Ausmaß einzuschätzen, sagte Lu Jianhua vom Außenhandelsministerium nach Angaben chinesischer Medien vom Mittwoch. "Eine wichtige Frage ist, was mit den Textilprodukten geschieht, die jetzt in europäischen Häfen festgehalten werden." Wie ferner eine Quelle in der chinesischen Handelskammer zitiert wurde, wäre es zwar eine Lösung, die Quoten des nächsten Jahres jetzt schon mit auszuschöpfen, doch wären die Auswirkungen 2006 erheblich, falls die jetzt festgehaltenen Lieferungen hoch sind. Es wurde eingeräumt, dass eine Ursache der Krise "schlechte Geschäftsmethoden" von Unternehmen während des Schwebezustandes vor Abschluss des Textilabkommens über eine Begrenzung der Exporte gewesen seien.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson bewertete das Expertentreffen in Brüssel als hilfreich, da alle Mitgliedstaaten die Lage gleichermaßen als ernst einschätzten. "Wir brauchen jetzt eine pragmatische Lösung", sagte Mandelson. "Das Abkommen steht weiter." Die Kommission werde ungeachtet des enormen politischen Drucks in der Angelegenheit ihre "vernünftige, ausgeglichene Linie" weiterverfolgen.

Seit Anfang des Jahres sind Einfuhrbeschränkungen im internationalen Textilhandel gefallen. Allerdings forderten südliche EU-Staaten wie Italien, Spanien und Frankreich nach einem sprunghaften Anstieg der Einfuhren aus China, die Menge bestimmter Waren wieder zu drosseln. Am 10. Juni schlossen die EU und China in Schanghai ein Abkommen, dass die Einfuhrkontingente bis 2007 für zehn Arten von Textilien festschreibt.

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