Windkraftfonds locken mit hohen Renditen, haben aber ihre Tücken

- Windkraftfonds sind weiterhin heiß begehrt: Rund 400 Millionen Euro investierten Anleger 2002 in diese Fonds, und Anbieter locken mit Steuervorteilen und attraktiven Gewinnprognosen. Derzeit bringen die rund 300 Fonds nach Angaben des Analystenhauses Fondscope im Schnitt rund acht Prozent Rendite. Doch die Investition hat ihre Tücken. So haben beispielsweise viele Fonds nach einer aktuellen Studie der Hamburger Gesellschaft Fonds Media weniger Strom als geplant produziert.

<P>Der Boom bei den Windkraftfonds startete vor vier Jahren. Sie basieren auf dem Prinzip geschlossener Fonds. Dabei bündelt eine Kapitalgesellschaft das Geld der Anleger und investiert es in die Windparks. Mit seinem Investment wird der Anleger zum Miteigentümer der Anlage. Der erzeugte Strom wird an regionale Stromversorger verkauft, und aus dem Erlös ergibt sich nach Abzug der Kosten der Gewinn. <BR><BR>Rund 14 000 Windräder sind nach Angaben des Bundesverbandes Wind Energie (BWE) derzeit in Betrieb. 2003 soll die Windkraft erstmals über fünf Prozent des deutschen Strombedarfs decken. <BR><BR>Anteile an Windkraftfonds gibt es ab 2500 Euro. Die meisten haben eine Laufzeit von 20 Jahren und stellen Anlegern innerhalb dieser Zeit eine Ausschüttung von rund 250 Prozent des eingesetzten Kapitals und mehr in Aussicht. Empfehlenswert sind Fonds laut BWE nur, wenn sie mindestens diese 250 Prozent erreichen. Mittlerweile bieten einige Fonds auch Ausschüttungsgarantien an. Dabei profitieren Anteilseigner allerdings nur noch teilweise von den Mehrerlösen. <BR><BR>"In den ersten Jahren müssen Investoren meist auf Ausschüttungen verzichten", erläutert Jörg Weber vom Öko-Branchendienst Ecoreporter. "Dafür profitieren sie von steuerlichen Verlustzuweisungen, was allerdings nur bei hohen Einkommen gilt." Wer sich später von seinem Fonds trennen wolle, habe aber Pech. "Ein Ausstieg ist nahezu unmöglich, da es bislang keinen Zweitmarkt für die Anteile gibt." <BR><BR>Das Risiko bei den Fonds hängt vor allem am Wind. Von 101 von Fonds Media untersuchten Fonds produzierten 86 Prozent bislang weniger Strom als geplant. Das durchschnittliche Minus lag bei 16 Prozent. Scharfe Kritik üben die Experten an der mangelnden Transparenz. "Die Mehrzahl der 250 untersuchten Fonds war nicht bereit, ausreichende Informationen für die Studie zur Verfügung zu stellen", kritisiert Analyst Peter Kastell. "So schafft man kein Vertrauen."<BR><BR>Für Anleger ist die Orientierung schwer. "Es gibt gute, aber eben auch weniger gute Fonds, deshalb müssen die Angebote genau verglichen werden", sagt Weber. Wichtig seien Windgutachten zum Standort, da eine schlechte Lage den Stromertrag mindere. "Es sollten möglichst drei Expertisen von unabhängigen Gutachtern vorliegen", sagt Weber.<BR><BR>Außerdem sollte der Anbieter einen zehnprozentigen Sicherheitsabschlag einkalkulieren und vom erwarteten Ertrag abziehen. Eine wichtige Rolle spielten auch die Betriebskosten, denn Wartung und Reparatur könnten das Ergebnis enorm belasten. Ähnlich sieht das auch der BWE. Er hat eine Check-Liste erstellt, anhand derer Anleger Windfonds bewerten können. Gut dran dürften insbesondere die Anleger sein, die frühzeitig Anteile an Windparks in "stürmischen Lagen" erworben haben. Denn: "Gute Standorte für die Parks sind teuer und immer schwieriger zu finden", weiß Analyst Kastell.</P>www.fondsmedia.com www.fondscope.com www.greenvalue.de www.ecoreporter.de www.wind-energie.de<BR>

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