Winter-Ispo 2004: Sport-Branche rechnet mit spürbarem Zuwachs

- München - Nach dreijähriger Talfahrt geht es wieder deutlich aufwärts. Das ist die einhellige Auffassung der Sportartikel-Branche im Vorfeld der Winter-Ispo in der kommenden Woche. Überschattet wird das aber durch ein Zerwürfnis zwischen dem Sportfachhandel und Konzernen wie Adidas oder Nike, die die Branche dominieren.

<P>Hersteller von Schuhen und Sport-Mode hätten den Fachhandel in schweren Jahren übergangen und Trendartikel nur an ausgewählte "Trendstores" abgegeben oder in eigenen Geschäften verkauft, kritisiert Werner Haizmann, Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel. Auch würden Fachhändler durch Anhebung der Mindestbestellmengen ausgelistet oder auf Einkaufsorganisationen verwiesen. Dem will Haizmann entgegentreten - sogar per Boykott: Anbieter müssten "das Risiko in Kauf nehmen, dass ihre jetzt praktizierte Auslistung auf Dauer zu der Auslistung ihrer ganzen Produktpalette führt".</P><P>Er sprach von "Arroganz der Macht", der man begegnen wolle. Andere formulieren das noch deutlicher: "Die Umsatzverluste, die uns diese Anbieter in schwerer Zeit zugefügt haben, werden wir nicht vergessen", schrieb ein Händler in der Branchenzeitung SAZ.<BR>Die Rabattschlacht um die geizigen Kunden durch Konzerne und Discounter habe, so Haizmann, dem Fachhandel 2003 ein Umsatzminus von 5 % zugefügt. Fürs laufende Jahr ist der Handel weit optimistischer. Er setzt nicht nur auf das verbesserte Konsumklima, sondern auch auf die olympischen Spiele und bereits im Winter auf neue Trends. Durch die Langlauf-Ableitung "Nordic Cruising", sowie den Siegeszug der Skihelme und der - jetzt serienreifen - elektronischen Skibindungen erwartet Haizmann eine spürbar belebte Nachfrage. </P><P>Komfort und Sicherheit sind die Schwerpunkte vieler Neuigkeiten: Das Frauen-Snowboard, das an die weibliche Anatomie angepasst und daher für Frauen leichter steuerbar sein soll, feiert ebenso auf der Ispo Premiere, wie eine Skijacke mit integriertem Mobiltelefon und ein GPS-Handy, das Helfer zu verschütteten oder verletzten Sportlern führt.</P><P>Vor allem spezialisierte Hersteller sehen einen Trend weg von der reinen Mode. Diese sei vergänglich, sagt Peter Schöffel, Chef des gleichnamigen Sportkleidungs-Herstellers. Allerdings müssen Produkte nicht nur funktionell sein, sondern auch modisch ansprechend. Der Urtrieb nach dem Ursprünglichen sei "nicht mehr mit rot-weißem Karohemd und Bundhose verbunden". Intelligente Materialien, innovative Verarbeitungstechniken wie gelaserte Nähte und auch neue Schnitt-Techniken sind angesagt.</P><P>Auch der Skihersteller "Head" erwartet einen deutlichen Wachstumsschub. "Wenn die Konjunktur nach oben geht, dann sind wir überproportional dabei", hofft Deutschland-Geschäftsführer Rainer Schramm. Auf 4,2 Millionen Paar Skier und Bindungen taxiert er den Markt weltweit. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 600 000 Paar verkauft und 500 000 Skischuhe, zumindest dies ein Zuwachs. "Head" setzt auf spezialisierte Damenski und -skischuhe, die kraftsparendes Fahren ermöglichen.</P><P>Die positiven Erwartungen erhärtet Siegfried Paßreiter vom Bundesverband der Sportartikelindustrie durch entsprechende Umfrage-Ergebnisse: In der Branche bezeichnen nun 26 % die aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut (Vorjahr 17 %) und nur 9 % als unbefriedigend (Vorjahr 21 %).<BR></P>

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