Winterkorn wird VW-Chef

- Wolfsburg - Der VW-Aufsichtsrat hat den bisherigen Audi-Chef Martin Winterkorn zum 1. Januar 2007 zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns ernannt. Die Kontrolleure beschlossen außerdem das Ausscheiden von Bernd Pischetsrieder aus dem Vorstand zum 31. Dezember 2006.

Pischetsrieder wird weiterhin für VW tätig sein und Aufgaben im Interesse des Konzerns wahrnehmen, hieß es. Angeblich will auch VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard den Konzern verlassen. Dafür gibt es aber noch keine Bestätigung. Die Sitzung dauert noch an.

Neue Nahrung erhielten Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von Bernhard zu seinem früheren Arbeitgeber nach Äußerungen von DaimlerChrysler-Dieter Zetsche. "Es ist zu früh, um zu solchen Spekulationen Stellung zu nehmen", sagte Zetsche im Deutsche Welle-TV. Und weiter: "Wir haben früher gut zusammengearbeitet und zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund zu kommentieren, was bei Volkswagen passiert. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt."

Zetsche hatte vor einigen Jahren zusammen mit Bernhard durch harte Sparmaßnahmen den US-Autobauer Chrysler saniert. Bernhard hatte den DaimlerChrysler-Konzern 2004 verlassen, dem Vernehmen nach im Streit mit Ex-Konzernchef Jürgen Schrempp und Arbeitnehmervertretern.

Winterkorn (59) erwäge nach einem Rücktritt von Bernhard zunächst in Personalunion dessen Funktion zu übernehmen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf VW-Führungskreise. Auch weitere Top-Personalien sollen in der Aufsichtsratssitzung besprochen werden. Nach Medienberichten soll auch Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch den Konzern verlassen.

Gespannt werden ferner weitere Beschlüsse der Aufsichtsräte in der Übernahmeschlacht um den schwedischen Lkw-Bauer Scania erwartet. VW setzte bisher auf eine einvernehmliche Lösung und hatte den Beteiligten bis zu diesem Freitag eine Frist gesetzt, sich zu einigen. Da dies bisher nicht abzusehen ist, erwarten Beobachter nun eine Entscheidung darüber, ob VW auch eine feindliche Übernahme unterstützen würde.

VW ist bei diesem Thema unter Zugzwang, weil die Wolfsburger bei Scania größter Anteilseigner sind und zuletzt auch bei MAN in eine 20-Prozent-Beteiligung investiert hatten. Sie streben bei einer Fusion eine starke Stellung an und wollen ihr eigenes brasilianisches Lkw-Geschäft in den Zusammenschluss einbringen. MAN will Scania übernehmen, trifft dort bisher aber auf hartnäckigen Widerstand.

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