Winterreifen: Was das neue Gesetz von den Autofahrern verlangt

- Die neue Verordnung zur "Ausrüstung von Kraftfahrzeugen" im Winter sorgt bei Autofahrern für Verwirrung: Zwar sind Winterreifen auch künftig keine Pflicht, wer aber bei Eis und Schnee ohne erwischt wird, muss Bußgeld zahlen und kassiert bei einem Umfall sogar Punkte. Wir erklären, was der Gesetzgeber unter "geeigneter Bereifung" versteht und wie es um den Versicherungsschutz bestellt ist.

Was neu ist

Neu in diesem Jahr gilt: "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen." (§ 2 Absatz 31 Straßenverkehrs-Ordnung) Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage. Nach dem Wortlaut der Verordnung sind Autofahrer nicht verpflichtet, grundsätzlich in den Wintermonaten Winterreifen aufzuziehen. Entscheidend sind die Wetterverhältnisse. Bei starkem Schneefall, festgefahrener Schneedecke oder Glatteis gelten generell Winterreifen und auch so genannte Allwetterreifen als "geeignet". Wer mit ungeeigneten Reifen unterwegs ist, muss notfalls bei Schneetreiben seinen Wagen stehen lassen.

Wann es Bußgeld und Punkte gibt

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne Winter- oder Ganzjahresreifen (Allwetterreifen) unterwegs ist, riskiert laut dem Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) ein Bußgeld von 20 Euro. Wird der Fahrer mit Sommerreifen oder abgefahrenen Winterreifen zu einem Verkehrshindernis oder verursacht gar einen Unfall, müsse er 40 Euro zahlen und erhalte zusätzlich einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.

Schuld und Teilschuld: Wann die Versicherung nicht zahlt

Kommt es bei winterlicher Witterung zu einem Unfall, zahlt die Kraftfahrzeug-Haftpflicht trotz Sommerreifen den Schaden des Unfallgegners. Darauf macht der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute aufmerksam.

Allerdings können die Versicherungen die Kasko-Entschädigung ­ wie bisher schon ­ für den eigenen Schaden kürzen, wenn die Fahrt mit Sommerreifen "grob fahrlässig" war. Grob fahrlässig wäre zum Beispiel, mit Sommerreifen auf schneebedeckten Straßen in den Bergen unterwegs zu sein und dort einen Unfall zu bauen.

Im Einzelfall könne es dazu kommen, dass der Fahrer sich bei seinen eigenen Schadenersatzansprüchen eine Mithaftung anrechnen lassen müsse, teilte die Versicherungskammer Bayern mit. Auch könne dem Fahrer eines unzureichend bereiften Autos eine Teilschuld gegeben werden. Zum Beispiel, wenn es zu einem Unfall kommt, bei dem der Geschädigte zwar Vorfahrt hatte, aber wegen Sommerreifen nicht rechtzeitig anhalten und damit den Unfall hätte verhindern können, erklärte Maximilian Maurer vom ADAC in München. In der Vollkaskoversicherung kann dem Kunden der Versicherungsschutz im Extremfall versagt werden, wenn er grob fahrlässig handelt.

Welche Reifen "geeignet" sind

Winter- oder Allwetterreifen? "Der ADAC sagt seit Jahren: Winterreifen sind die erste Wahl", so Maurer. Zwar gelten auch Allwetterreifen als Winterreifen und seien damit gemäß der Verordnung eine geeignete Bereifung bei Eis und Schnee.

Angesichts der immer noch herrschenden Unklarheit über die Straßenverkehrs-Ordnung bezüglich einer angemessenen Winterausrüstung fordert der ADAC einen Mindeststandard für Winterreifen. Laut Automobilclub muss dafür das M+S-Symbol an Mindestanforderungen hinsichtlich einer Profiltiefe von vier Millimetern und des Verhaltens auf Schnee geknüpft werden. Der ADAC weist darauf hin, dass nicht jeder Reifen mit einer M+S-Markierung wintertauglich sei. So sind bereits M+S-Reifen aus Fernost auf dem Markt aufgetaucht, die eindeutig als Sommerreifen eingestuft werden müssten. Weitere Plagiate werden folgen.

Schlangen beim Reifenwechsel

Wer seinen Winterreifen in der Werkstatt wechseln lassen will, steht derzeit in der Schlange. Wegen der neuen Verordnung ist der Andrang in diesem Jahr besonders groß. Schon der Versuch, einen Reifendienst am Telefon zu erreichen, endet oft beim Belegtzeichen oder in der Warteschleife. Wer schließlich durchkommt und Pech hat, bekommt einen Termin in 14 Tagen. Beim Reifenhaus Nabholz mit vielen Filialen in München sollte ein Termin drei bis vier Tage vorher reserviert werden. Beim Reifenhaus Pneuhage braucht es keine Voranmeldung, allerdins muss man mit zwei bis drei Stunden Wartezeit rechnen.

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