Wintershall und Gazprom starten Gasförderung in Sibirien

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Moskau (dpa) - Die deutsche BASF-Tochter Wintershall und der russische Energieversorger Gazprom haben am Dienstag mit der gemeinsamen Förderung des sibirischen Gasfeldes Juschno Russkoje begonnen.

Damit fördert erstmals ein deutsches Unternehmen Erdgas direkt in Westsibirien. Unterdessen hieß es bei Gazprom, dass Deutschland trotz gestiegener Fördermengen im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Gaspreise um rund 15 Prozent rechnen müsse.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte in Moskau das Förderprojekt als Zeichen einer Öffnung des russischen Rohstoffsektors für westliche Unternehmen. Das Gas soll in Zukunft auch durch die geplante Ostseepipeline (Nord Stream) nach Europa geliefert werden. Wintershall hält einen Minderheitsanteil an der Fördergesellschaft für das Gasfeld 3500 Kilometer nordöstlich von Moskau.

Steinmeier sowie der Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzende und Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew starteten in der Gazprom- Zentrale mit einem symbolischen Knopfdruck das Projekt. "Die Inbetriebnahme geht weit über die industriewirtschaftliche Bedeutung hinaus", sagte Steinmeier. Vize-Regierungschef Medwedew nannte die Erschließung des Gasvorkommens "ein leuchtendes Beispiel für die russisch-deutsche Partnerschaft".

Unterdessen bekräftigte der texanische Öl- und Gaskonzern Moncrief seine Ansprüche an dem Gasfeld. Der Konzern hatte 1997 von Gazprom 40 Prozent daran erworben. Weil Gazprom Verträge verletzt habe, mit denen Moncrief eine vorrangige Beteiligung eingeräumt worden sei, hatte die deutsche Tochtergesellschaft in Berlin Klage erhoben. Moncrief setzt darauf, dass Anfang 2008 darüber entschieden werde. Sollte das Gericht zugunsten des Unternehmens entscheiden, will Moncrief mit Gazprom und dessen deutschen Partnern zusammenarbeiten.

Im Gasfeld Juschno Russkoje lagern förderbare 600 Milliarden Kubikmeter. Derzeit pumpt Gazprom jährlich etwa 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland. Ausgehend von dieser Liefermenge kann laut BASF allein Juschno Russkoje alle russischen Gasexporte nach Deutschland für weitere 15 Jahre gewährleisten.

Trotz gestiegener Fördermengen geht Gazprom-Vize Alexander Medwedew für 2008 von deutlich höheren Gaspreisen aus. "Wenn wir die Prognosen für den Preis von Ölprodukten zugrunde legen, die die Basis für unsere Preisformel bilden, werden es ungefähr 350 Dollar je 1000 Kubikmeter sein", sagte er der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagausgabe). "Heute zahlt Deutschland im übrigen rund 300 Dollar."

In seinen Planungen geht der Konzern von einem Umsatzwachstum aus dem Gasverkauf 2008 von 24 Prozent auf 84,6 Milliarden US-Dollar (58,7 Milliarden Euro) aus. Der Aufsichtsrat, der an diesem Dienstag in Moskau tagen wollte, strebe auch eine Verdoppelung des Nettoüberschusses an, berichtete die russische Zeitung "Kommersant" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Die Beteiligung der BASF an der Gasproduktion in Sibirien ist Teil eines inzwischen abgeschlossenen Tausches von Unternehmensanteilen. Wintershall hat 25 Prozent minus eine Aktie an der Gesellschaft Severneftegazprom (SNGP) erhalten, die die Lizenz am Gasfeld Juschno Russkoje hält. Zusätzlich erhielt Wintershall eine privilegierte Aktie ohne Stimmrecht am Gründungskapital von Severneftegazprom, wodurch BASF im Ergebnis mit 35 Prozent am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt ist. Gazprom wiederum hat den Anteil an der gemeinsamen Erdgashandelsgesellschaft WINGAS GmbH von bislang 35 auf 50 Prozent minus einen Anteil aufgestockt. Ebenso erhielt Gazprom eine Beteiligung von 49 Prozent an einer Wintershall-Tochtergesellschaft, die in Libyen Erdöl produziert.

An Juschno Russkoje will sich künftig auch der deutsche Versorger E.ON beteiligen. Im Gegenzug solle Gazprom Beteiligungen an Kraftwerken in West- und Mitteleuropa sowie unterirdische Erdgasspeicher erhalten, hatte E.ON mitgeteilt. Laut "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) hat E.ON dem russischen Konzern Beteiligungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro angeboten, um dafür mit knapp 25 Prozent beteiligt zu werden.

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