"Wir arbeiten, bis wir nicht mehr können"

- Keine Fluglinie wächst so schnell wie Etihad. Die staatliche Airline der Vereinigten Arabischen Emirate wurde im Juli 2003 gegründet, jedes Jahr vervielfachen sich die Passagierzahlen. Weltweiter Chef der Fluglinie mit Sitz in Abu Dhabi ist der Österreicher Robert Strodel (55). Für heuer rechnet der Ex-Lufthansa-Manager mit 3,3 Millionen Passagieren - und bestellt zehn neue Flugzeuge. Die München-Strecken werden stark ausgebaut.

Herr Strodel, wie geht es Ihrem Arabisch?

Strodel: Schlecht, aber es wird langsam besser. Mir fehlt die Zeit für die Abendschule. Wir arbeiten hier jeden Tag so lange, bis wir nicht mehr können.

Nach 30 Jahren Karriere bei deutschen Firmen - sind Sie froh, sich nicht mehr mit Zauderei und Bedenkenträgern rumschlagen zu müssen?

Strodel: Ja. Entscheidungen werden bei uns in Abu Dhabi genauso gründlich geprüft wie in anderen Unternehmen, aber dann geht es blitzschnell. Unser Aufsichtsratschef ist so veranlagt.

Keine Fluglinie weltweit wächst so schnell wie Ihre. Wo sind Ihre Grenzen?

Strodel: Diese Riesen-Expansion geht schon an die Grenzen des Machbaren. Sechs neue Destinationen und fünf neue Flugzeuge in zwei Monaten, das ist eine irrsinnige Aufgabe. Wir sind ja erst zwei Jahre und vier Monate alt. Wir rennen bis zum Umfallen.

Ihr Steuerberater hat es da etwas leichter.

Strodel: Firmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten zahlen keine Steuern, das ist ein unbestrittener Vorteil.

Der einzige? Die Konkurrenz lästert, Ihre Flieger würden vom reichen Staat bis zur Heckflosse mit Subventionen voll gestopft.

Strodel: Nein. Die Landegebühren schlagen ganz schön rein, und ich wäre auch froh, wenn wir für den Treibstoff weniger ausgeben müssten. Wir zahlen für den Sprit teilweise mehr als in Europa. Sprit ist inzwischen unser größter Kostenfaktor, noch vor den Personalkosten. Unser stärkster Vorteil ist die geographische Lage. Wir sitzen eben nicht in Wladiwostok, sondern hier zentral in Abu Dhabi.

Sie bestellen bald schon wieder zehn Maschinen. Boeing oder Airbus?

Strodel: Die Entscheidung ist intern schon gefallen und muss noch vom Aufsichtsrat genehmigt werden.

Als eine der Ersten bekommen Sie den neuen Super-Airbus A 380. Wo lassen Sie in fliegen?

Strodel: Die Maschine wird Januar 2008 an uns ausgeliefert. Wir werden sie auf den Strecken nach Frankfurt, London und New York einsetzen - dort, wo die Slots schwierig zu kriegen sind.

Sie bauen die München-Verbindungen aus. Glauben Sie an den Tourismus-Boom im Nahen Osten?

Strodel: Die München-Strecken laufen sehr gut. Klar, der Tourismus in Abu Dhabi wird ausgebaut. Wir hoffen aber, die gesamte Palette, also auch Geschäftsreisende, ansprechen zu können.

Wer in die Emirate fliegt, denkt bisher zumeist als Erstes an Emirates, Ihren Hauptkonkurrenten. . .

Strodel: Also, wenn wir bisher eine Strecke neu aufgenommen haben, war sie von Anfang an gut ausgelastet. Wir expandieren schneller.

Wann wollen Sie Emirates überholt haben?

Strodel: Es ist eine Frage, ob wir überhaupt so groß werden wollen. Unser Plan ist: Bis Oktober 2008 wollen wir 70 Destinationen bedienen.

Wie stark belastet die Angst vor Anschlägen im Nahen Osten Ihr Geschäft?

Strodel: Bisher spüren wir gar nichts. Wir sind gesegnet in den Emiraten, bis jetzt ist nichts passiert. Ich erlebe den Alltag hier als frei und sicher. Die Menschen sind aufgeschlossener als in manchen westlichen Städten.

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