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Der Diplom-Ingenieur Lutz Goebel steht seit Mitte 2011 an der Spitze des Verbandes „Die Familienunternehmer“ mit 5000 Mitgliedern.

„Wir brauchen keine Subventionen“

München - Autobauer sollen ohne Staatshilfen auskommen, fordert der Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer. Warum warum das Modell "Familienunternehmen" besser für die Gesellschaft ist, erklärt er im Merkur-Interview. 

Familienunternehmer gelten als Rückgrat unserer Wirtschaft, der Präsident ihres Verbandes, Lutz Goebel (57), sieht sich als Interessenvertreter von 180 000 Betrieben in Deutschland. Wir sprachen mit ihm über Mindestlöhne, mieses Management und die schwierige Mitarbeitersuche.

Herr Goebel, sind Familienunternehmer die besseren Unternehmer?

Das hängt immer von den einzelnen Personen ab. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell Familienunternehmen das bessere für die Mitarbeiter und für unsere Gesellschaft ist.

Inwiefern besser?

Ein Familienbetrieb ist stets bemüht, das Unternehmen ordentlich der nächsten Generation zu übergeben. Um das zu erreichen, führt man keine Harakiri-Aktionen durch – normalerweise zumindest. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.

Wie das Unternehmen Schlecker, das nach vielen Negativ-Schlagzeilen in der Vergangenheit nun Insolvenz beantragen musste?

Der Wettbewerb im Handel ist hart, aber die Kunden achten neben den Preisen auch darauf, wie die Mitarbeiter in den Filialen behandelt werden. Da gab es ein Imageproblem von früher. Am Ende ist Schlecker auch ein Beispiel für viele Unternehmer, die im Extremfall mit ihrem ganzen Vermögen mithaften müssen. Dennoch: Bei den Konzernen sieht die Welt grundlegend anders aus. Ein Vorstandsvorsitzender ist nur fünf bis sechs Jahre im Amt. Er muss also in kurzer Zeit sehr viel bewegen und vor allem den Aktienkurs nach oben treiben – das wird von ihm erwartet.

Hat sich das in der vergangenen Wirtschaftskrise ausgewirkt?

Familienunternehmer gehen anders mit Krisen um, vor allem weil sie sehr viel stärker an ihren Mitarbeitern festhalten. Von 2006 bis 2010 haben die 500 größten deutschen Familienunternehmen 300 000 Arbeitsplätze aufgebaut, die 30 Konzerne im Dax hingegen haben in diesem Zeitraum 100 000 Jobs abgebaut. Auf lange Sicht gesehen, wachsen Familienunternehmen stärker und sind insgesamt erfolgreicher.

Dieser Erfolg hängt in hohem Maße von der Führung ab. Doch nicht jeder Spross einer Unternehmer-Familie ist fähig oder willig, die Führung zu übernehmen. Ein Problem?

Ganz klar. Die Nachfolge ist eine der größten Herausforderungen. Die kommt automatisch etwa alle 30 Jahre auf einen Betrieb zu und muss frühzeitig geregelt werden. Wir beobachten, dass größere Familienunternehmer eher bereit sind, fremde Manager zu holen.

Haben Sie sich denn schon Gedanken über eine Nachfolge für Ihren Betrieb gemacht?

Ja. Ich habe mit meiner Tochter, sie ist 19, schon darüber gesprochen und ihr gesagt, dass ich gerne in sechs bis sieben Jahren eine Antwort von ihr haben möchte, ob sie sich vorstellen kann, das Unternehmen weiterzuführen.

Da sind Sie aber doch eine Ausnahme. Ist es nicht eher so, dass viele Unternehmer erst mit Ende 70 über eine Nachfolge nachdenken?

Das gibt es sicherlich noch. Aber diese Patriarchen sind mittlerweile eine Ausnahme und das ist auch gut so, denn sie schaden dem Image der Familienunternehmer. Allerdings ist das Loslassen wirklich schwer. Meinen Beobachtungen zufolge gehen Unternehmer das Thema bis 60 Jahre noch sehr rational an, zwischen 60 und 70 wird das schon etwas holprig und ab 70 sind sie der festen Überzeugung, dass ohne sie gar nichts mehr geht.

Qualifiziertes Personal braucht es auf allen Ebenen. Wie schwer ist es, für Familienunternehmer Fachkräfte zu finden?

Auch wir sehen, dass es deutlich schwieriger wird. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Betriebe viel mehr selbst unternehmen könnten, bevor sie sich klagend an die große Politik wenden. Sie müssen sich mehr um ihr Image kümmern, für sich werben, auf die Jugendlichen zugehen oder mehr auf ältere Arbeitnehmer eingehen.

Unter Ihren Mitarbeitern sind zwölf über 65 Jahre alt. Wie klappt die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in der Praxis?

Natürlich gibt es auch bei mir Menschen, die nach 45 Jahren harter körperlicher Arbeit einfach nicht mehr können. Wir bieten den betroffenen Mitarbeitern individuelle Alternativen. Das kann der Innendienst sein, die Betreuung der Lehrlinge oder eine Berater-Funktion. Bei dieser ganzen „Rente mit 67“-Diskussion sind wir der Meinung, dass das alles möglichst flexibel gestaltet werden muss. Denn es gibt Leute, die mit Anfang 60 schlicht nicht mehr können und wollen, andere sind mit 70 noch fit.

Wie sehr ärgern Sie sich über Aussagen aus der Politik wie von Herrn Seehofer, demzufolge die Wirtschaft beim Thema ältere Arbeitnehmer kaum etwas unternimmt?

Offensichtlich kennt Herr Seehofer die Details nicht. Vor drei, vier Jahren war das tatsächlich noch kein Thema, aber jetzt passiert sehr viel. Der Fachkräftemangel, auch in Bayern, sorgt für immer mehr Initiativen in Unternehmen, Familienunternehmer sind da Vorreiter.

Müsste nicht auch bei den Mindestlöhnen etwas passieren, um eine drohende Altersarmut aufzuhalten?

Von politischen Mindestlöhnen halten wir gar nichts. Wir befürchten, dass damit besonders die Minderqualifizierten keine Jobs mehr in Deutschland finden, weil diese Stellen ins Ausland abwandern.

Sie wehren sich gegen Mindestlöhne, selbst wenn das bedeutet, dass Geringverdiener staatliche Stütze brauchen, um ihr Leben finanzieren zu können?

Ja, weil uns der Stellenerhalt wichtiger ist. Ich habe in meinem Betrieb Glück, weil in meiner Branche ein niedrig angesetzter Tarifvertrag gilt. Das gibt mir die Chance, meine Mitarbeiter nach Leistung zu bezahlen und stark zu differenzieren. Wer nur Dienst nach Vorschrift macht, hat es bei mir schwer, mehr zu verdienen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass meine Wettbewerber hinter meinen guten Leuten her sind – da ist es doch klar, dass ich die sehr anständig bezahle, um sie zu halten.

Genauso wie Mindestlöhne sehen Sie auch Subventionen kritisch. Wie soll sich denn eine neue Technologie wie etwa die Elektro-Mobilität ohne staatlichen Anschub durchsetzen?

Die Autokonzerne verdienen so viel Geld wie noch nie. Die haben also genügend Mittel, die sie entsprechend für Forschung und Entwicklung einsetzen können.

Aber wenn die Autobauer das gar nicht wollen, muss dann nicht der Staat eingreifen?

Dafür stehen ihm andere Anreizmechanismen als Subventionen zur Verfügung. Ich verstehe wirklich nicht, warum man der Branche eine Milliarde Euro überweist, um die Elektro-Mobilität zu fördern. Schließlich steht bereits fest, dass der CO2-Ausstoß verringert werden muss – die Autobauer haben also genug Anreiz und ein Eigeninteresse, diese neue Antriebstechnik zu verstärken.

Wie besorgt blicken Sie als Präsident der Familienunternehmer in die Zukunft?

Die Stimmung ist gut, alle haben ordentlich zu tun und die meisten sind bei Umsatz und Ergebnis wieder da, wo sie vor zwei Jahren waren. Wir erkennen derzeit nicht, dass eine große Rezession droht.

Sie sind also optimistisch?

Sollte der Euro zusammenkrachen, ist auch mein Optimismus dahin. Aber ich sehe das derzeit nicht kommen.

Zusammengefasst von: Stefanie Backs

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