"Wir glauben an den Standort Deutschland"

Interview mit General Electric: - München - Seit es den berühmtesten Börsenindex der Welt - den Dow Jones - gibt, war nur ein Unternehmen immer enthalten: General Electric. Der amerikanische "Gemischtwarenladen", der Kraftwerksturbinen ebenso anbietet wie Glühbirnen, Girokonten und Fernsehprogramme, macht doppelt so viel Umsatz wie Siemens. Mit über 350 Milliarden Dollar Börsenwert (etwa 270 Milliarden Euro) ist GE das zweitteuerste Unternehmen der Welt nach dem Ölriesen Exxon-Mobil.

Seit 1899 haben die GE-Aktionäre immer eine Dividende erhalten, seit 31 Jahren steigt die Ausschüttung stets.

Der Konzern geht auf den amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison zurück, der für die Weiterentwicklung der Glühbirne berühmt wurde und dessen Ideen die Basis des Unternehmens bildeten. Heute setzt der Konzern auf die Ideen seiner Mitarbeiter in der ganzen Welt - darunter 9000 in Deutschland. Eine der wichtigsten Regionen hierbei ist Oberbayern. Vor der Haustür des Rivalen Siemens betreibt GE eines seiner vier Forschungszentren auf der Welt. Auch bei Gesundheitstechnik setzt GE auf den Großraum München. Im Interview mit unserer Zeitung erklären Georg Knoth, GE-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie Rudolf Beyenburg von der Gesundheits-Sparte des Konzerns, warum Deutschland - und insbesondere Oberbayern - für den Weltkonzern eine besondere Bedeutung hat.

Deutschland war lange Wachstums-Schlusslicht in Europa. Noch immer liegt die Konjunkturentwicklung unter dem weltweiten Durchschnitt. Warum setzt ein internationaler Konzern trotzdem auf Deutschland?

Georg Knoth: Deutschland spielt eine große Rolle für uns in der gesamten GE-Strategie. Deutschland ist die drittgrößte Industrienation der Welt. Und ich glaube, wir haben unser Wachstumspotenzial hier noch nicht so ausgeschöpft, wie wir es könnten.

In welchen Sparten sehen Sie besondere Wachstumschancen hierzulande?

Knoth: Grundsätzlich in allen. Aber einer der Schwerpunkte liegt sicher im Bereich der Infrastruktur. Wenn ich an den geschätzten Bedarf von Kraftwerken in Deutschland denke, glaube ich, dass GE hier als einer der größten Anbieter weltweit verstärkt eine Rolle spielen kann und letztlich muss. Auch im Bereich der erneuerbaren Energien kann man noch wachsen.

Fast der gesamte deutsche Kraftwerkspark muss in den kommenden Jahren erneuert werden. Auf welche Technologie setzen Sie?

Knoth: Unsere Strategie ist, einen Energiemix anzubieten. Was wir in einem Land verkaufen, hängt davon ab, was unser Kunde will.

Wo sehen Sie weitere Bereiche, die Sie in Deutschland weiterentwickeln wollen?

Knoth: Die gesamte Medizintechnik ist ein interessanter Bereich. Von großer Bedeutung ist auch das Finanzierungsgeschäft. Wir haben gerade die Oberhachinger ASL zugekauft und sind jetzt einer der größten Anbieter im Auto-Leasinggeschäft. Aber auch andere Bereiche wie Factoring oder Investitionsgüterleasing haben sehr gute Wachstumspotenziale. Und im Konsumentenkreditgeschäft haben wir mit der GE Money Bank ein wichtiges Standbein und wollen auch hier organisch oder gegebenenfalls durch Akquisitionen weiter wachsen.

Unsere Fernsehsparte NBC Universal ist ebenfalls ein interessantes Thema. Da bietet Deutschland manches, was wir vielleicht noch nicht so richtig ausgenutzt haben.

Wieso haben Sie sich nicht ProSieben geschnappt?

Knoth: ProSieben hatte einen sehr hohen Preis und im Gesamtpaket gesehen war das für uns nicht interessant. Unser Kanal "Das Vierte" ist jetzt über ein Jahr alt und hat etwa ein Prozent Marktanteil. Wir sind damit recht zufrieden. Aber jetzt muss man sich natürlich überlegen: Wie können wir den Marktanteil steigern? Da sind viele Gedankenspiele im Gange. Es ist sicherlich richtig, dass wir den Markt verfolgen und da, wo es Sinn macht, auch zuschlagen.

Für Zukäufe im deutschen Fernsehmarkt kommt ja nicht so viel in Frage. Wäre der Bezahlsender Premiere ein Ziel für Sie?

Knoth: Nein. Aber der Sender ist natürlich ein wichtiger Partner für uns im Bereich Pay TV. NBC veranstaltet mit 13th Street und SciFi zwei Spartenkanäle auf Premiere.

Wie stark kann GE in Deutschland wachsen?

Knoth: Wir veröffentlichen keine Zahlen für einzelne Länder. In der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika hatten wir zuletzt einen Umsatz von rund 40 Milliarden Dollar. In Deutschland können wir bestimmt in den nächsten Jahren zehn Prozent und mehr wachsen.

Wie wirken sich Ihre Wachstumspläne auf die Aufstellung des Unternehmens in Deutschland aus?

Knoth: Wir glauben an den Standort Deutschland. Man muss weiter investieren in Forschung und Entwicklung. Hier hat Deutschland eine tolle Tradition. Wir wollen unser Forschungszentrum in Garching (Kreis München, d. Red.) weiter ausbauen. Wir werden hier um die 50 Mitarbeiter zusätzlich einstellen. Langfristig soll die Beschäftigtenzahl von derzeit rund hundert etwa verdoppelt werden. Auch unsere Medizintechniksparte wollen wir ausbauen.

Rudolf Beyenburg: Das Gesundheitswesen ist ein Wachstumsmotor für GE. Gerade die Diagnostik ist ein extremer Wachstumsbereich. Es muss künftig mehr investiert werden, um Krankheiten früher zu erkennen, bevor die Symptome ausbrechen, anstatt auf späte Behandlung zu setzen. Wir verstärken unsere Präsenz in München und werden die Zahl der Mitarbeiter drastisch erhöhen. Daran erkennen Sie die Bedeutung, die wir dem Gesundheitsstandort Bayern beimessen. Darüber hinaus werden wir verstärkt unsere Stabsfunktionen für unsere medizinischen Gesellschaften in München für Deutschland zusammenfassen.

Was spricht für den Standort München?

Beyenburg: Zum einen die Nähe zu unserem Forschungszentrum, das wissenschaftliche Kooperationen etwa mit der Technischen Universität oder der Ludwig-Maximilians-Universität und weiteren Institutionen unterhält. Für München spricht auch, dass wir damit in Bayern präsent sind, einem der innovativsten Bundesländer im Gesundheitswesen. Viele Unternehmen in der Biotechnologie sind hier ansässig und ein Großteil unserer Kunden.

Das Gespräch führten Dominik Müller und Florian Ernst.

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