"Wir haben das gleiche Problem wie Russland"

- Zur Gaspreis-Liste des Bundeskartellamtes befragten wir den Energieexperten des Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, Holger Krawinkel.

Preisunterschiede von 59 Prozent fürs Gas innerhalb eines Landes, wie kann es dazu kommen?

Holger Krawinkel: Das ist wirklich ausgesprochen verwunderlich. Und auf diese Tatsache wollte das Bundeskartellamt mit seiner Liste wohl auch hinweisen. Es scheint von Unternehmen zu Unternehmen enorme Unterschiede bei der Effizienz und den Margen zu geben.

Die Konzerne rechtfertigen sich gern mit den hohen Abgaben, die sie bezahlen müssen.

Krawinkel: Also, auf die Beschaffungskosten entfallen zirka 50 Prozent der Gesamtrechnung, auf die Netzentgelte 20 bis 25 Prozent, in gleicher Höhe müssen Steuern bezahlt werden und der Vertrieb ­ auf alles verteilt ­ kostet 5 bis 10 Prozent. Die Bundesnetzagentur ist ja gerade dabei, die unternehmensunabhängigen Kostenbestandteile, wie eben die Netzentgelte, abzusenken.

Was ist Ihre Konsequenz aus der Transparenz-Offensive des Kartellamtes?

Krawinkel: Klar ist, dass es dringend mehr Wettbewerb geben muss. Die Maßnahmen der Netzagentur gehen eindeutig in die richtige Richtung. Besser noch ist aber, was die EU fordert: Die Netze müssen unabhängig werden von den Konzernen. Nur wenn sie verkauft werden, kann echter Wettbewerb entstehen. Wir haben in dieser Hinsicht übrigens das gleiche Problem wie in Russland. Dort ist Gazprom ein voll integrierter Konzern. Unabhängige Unternehmen haben keine Chance. Es gibt keinen Wettbewerb.

Interview: Corinna Maier

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