"Wir haben die Tiefs hinter uns"

München - Die weltweite Finanzkrise hält die Anleger in Atem. Über Milliarden-Abschreibungen bei Banken, Berg- und Talfahrten an den Aktienmärkten und die richtigen Strategien für Kleinanleger sprachen wir mit Reza Darius Montass´¨r, Vorstandsmitglied der österreichischen Alpenbank.

-Im Laufe der Woche haben mehrere Banken Milliarden-Abschreibungen bekanntgegeben. Wann ist endlich ein Ende der Finanzmarktkrise zu erwarten?

Das ist schwer vorauszusehen. Was man sicher sagen kann ist, dass sich die Lage allmählich stabilisiert. Es kommen wieder Käufer für Wertpapiere mit besserer Bonität auf den Markt, zaghaft zwar, aber sie kommen. Ich denke, dass die Banken im 1. Quartal alles auf den Tisch legen. Im Lauf dieses Jahres müsste alles, was noch in den Büchern schlummert, zu Tage treten.

-Würden Sie schon wieder Bank-Aktien kaufen?

Ich denke schon. Man muss sich die Bank natürlich gut anschauen. Es gibt durchaus Banken, die als Sieger aus der Kreditkrise hervorgehen werden. Und es gibt welche, die schon von ihrem Geschäftsmodell her nicht so stark involviert sind, zum Beispiel die Commerzbank. Aber auch die Deutsche Bank, obwohl sie jetzt mehr abschreiben musste als erwartet worden war. Solche Aktien könnten für einen mittelfristig orientierten Anleger durchaus interessant sein. Allerdings würde ich lieber nicht auf Einzelaktien setzen, weil man nicht sicher sein kann, dass man alle Details der Bilanz kennt. Besser sind da breit anlegende Bankenfonds oder ein Zertifikat. Das verspricht in den kommenden Monaten und Jahren gute Chancen. Schließlich ist das Geschäft der Banken nicht kaputtgegangen. Man kann davon ausgehen, dass Banken mit hohen Bilanzsummen relativ gut durchs Jahr kommen.

-Wie viel sollte ein Privatanleger jetzt investieren?

Für den Aktienmarkt würde ich den langsamen Einstieg empfehlen, also erst einmal 20 Prozent der Gesamtsumme, dann ein bisschen warten und im Laufe der nächsten Wochen bei Rückschlägen immer wieder zukaufen. Man sollte tatsächlich in den nächsten vier bis sechs Wochen handeln und in mehreren Schritten einsteigen. Das Zeitfenster ist nicht sehr groß und dann läuft man Gefahr, zu teuer einzukaufen. Für Privatanleger ist ein aktiv gemanagter Fonds eine gute Wahl, auch in Hinblick auf die Abgeltungssteuer ab 2009. Besonders in stark volatilen Märkten hat ein professionelles Fondsmanagement einfach den Vorteil, sehr schnell handeln zu können.

-Welche Regionen und welche Branchen würden sie bei der Geldanlage bevorzugen?

Ganz klar Europa. Hier würde ich 80 Prozent der Anlagesumme investieren, 10 bis 15 Prozent sollten trotz allem in die USA gehen, dadurch, dass sich der Dollar stabilisieren dürfte, sind hier auch Währungsgewinne zu erwarten. Bei den Branchen würde ich an Tagen mit schwächeren Kursen Bank-Aktien nehmen. Auch Versicherungen kommen infrage. In den kommenden Jahren könnten auch Versorger- und Rohstoffwerte interessant werden.

-Rohstoffe und Gold stehen jetzt schon extrem hoch in der Anlegergunst. Sind solche Engagements noch sinnvoll, oder ist es schon zu teuer?

Gold hat ein Niveau erreicht, das ich als sehr teuer empfinde. Es wurden in der Vergangenheit sehr viele Produkte entwickelt, zum Beispiel Zertifikate und Fonds, die Anleger Gold lockten. Da wurde sehr viel Geld eingesammelt, das auf einen kleinen und nicht vorbereiteten Markt traf. Das hat zu diesem starken Preisanstieg geführt. Anleger sollten aber bedenken: Heute wird der Goldpreis auf den Finanzmärkten bestimmt. Wenn die Angebots- und Nachfrageseite sich verschieben, ist es vorbei mit diesen hohen Kursen, weil die Sicherheit des Goldes nicht mehr dieselbe ist wie in Zeiten des Goldstandards. Unsere Analysen zeigen, dass ein Goldpreis um 600 Dollar gerechtfertigt wäre. Alles darüber ist eine sehr starke Spekulation.

-Aktuell liegt der Goldpreis aber bei 1000 Dollar.

Wenn das ganze Krisenszenario am Kapitalmarkt sich auflöst und der US-Dollar sich wieder stabilisiert, der ja auch weit weg ist von einer fairen Bewertung, dann weicht auch die Luft aus der Gold-Blase.

- Ist die Lage beim Rohöl ähnlich?

Nein, das ist nicht vergleichbar. Gold ist ja ein Produkt, das braucht im täglichen Leben kein Mensch. Beim Öl, das die Weltwirtschaft antreibt, ist das ganz anders. Zwar sehen wir derzeit auch beim Öl einen überhöhten Preis, aber der ist von einer realistischen Bewertung, die wir bei 80 bis 85 Dollar sehen, nicht sehr weit entfernt.

-Diese Woche haben Deutsche Bank und UBS Milliarden abgeschrieben, und trotzdem schnellten deren Aktienkurse hoch. Wie ist das zu erklären?

Der Markt war einfach überverkauft. Die überaus positiven Reaktionen, die ich so gar nicht erwartet hätte, sprechen für eine sehr ausgeprägte Bodenbildung. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Tiefs hinter uns haben, ist sehr groß. Wenn es doch nochmal Ausreißer nach unten gibt, sind das ganz klare Einstiegssignale. Alles spricht dafür, dass wir uns auf einen Aufschwung vorbereiten.

-Der Dax hat in wenigen Monaten 2000 Punkte verloren. Können Sie das für uns historisch einordnen?

Diese Korrektur ist em ehesten zu vergleichen mit der Krise 1991 beim Einmarsch des Iraks in Kuwait. Damals brauchte der Markt ein Jahr, um sich zu erholen. Die Vergangenheit zeigt, dass das immer ein bis eineinhalb Jahre gedauert hat. Wenn keine Katastrophen passieren, gehe ich davon aus, dass der Dax sich in den nächsten Monaten in einem ersten Schub Richtung 7000 bewegen wird, dann zwischen 6500 und 7000 pendelt und wir im dritten Schub Richtung 8000 Punkte gehen. Wir haben zehn bis 15 Prozent Luft nach oben.

-Glauben Sie, dass das System der Landesbanken eine Zukunft hat?

Ja. Die Geschäfte, die sie im Subrime-Segment gemacht haben, entsprechen eigentlich nicht ihren Aufgaben. Sie sollten die Kreditversorgung einer Region und des Mittelstandes gewährleisten, ein Bereich, in dem Geschäftsbanken zurückhaltend sind. Wenn die Landesbanken das tun, haben sie sehr wohl eine Existenzberechtigung.

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