"Wir setzen auf den Standort Deutschland"

Holzkirchen - Generika - Nachahmerprodukte von Medikamenten, deren Patentschutz ausgelaufen ist - sind ein Milliardengeschäft. Mit der Fusion von Hexal und Sandoz ist vor drei Jahren der Marktführer in Deutschland und zweitgrößte Generika-Anbieter der Welt hinter der israelischen Teva entstanden.

Das Unternehmen beschäftigt hierzulande 4300 Menschen, 1300 davon am Unternehmenssitz in Holzkirchen (Kreis Miesbach). Vorstandschef Andreas Rummelt spricht über Preisdruck, den Standort Deutschland und Wachstumspläne im Ausland.

-Zum 1. Juni wurden erneut die Höchstbeträge reduziert, die die Krankenkassen für Arzneimittel erstatten. Dadurch sind zunächst 3500 Medikamente für die Patienten zuzahlungspflichtig geworden. In der Vergangenheit haben die Hersteller mit Preissenkungen reagiert. Wie stark wurde diesmal reduziert?

Wir haben für ungefähr die Hälfte unserer zuzahlungsbefreiungsfähigen Produkte die Preise so angepasst, dass die Patienten nicht zuzahlen müssen. Das betrifft etwa 1100 Produkte.

-Ihr Branchenverband hat beklagt, die Generika-Unternehmen fühlten sich wie ausgepresste Zitronen. Wie viel Druck vertragen Sie noch?

Das Paradoxe an der derzeitigen Situation ist doch, dass wir die Preise zwar senken, die Patienten aber dennoch Zuzahlungen leisten müssen. Gleichzeitig gewähren wir zusätzlich Rabatte für die Krankenkassen. Nur: die Patienten merken davon nichts, im Gegenteil.

-Wie attraktiv ist der Standort Deutschland noch für Sandoz?

Man muss viele Facetten betrachten. Es geht nicht nur um Kosten und Preise. Es geht auch darum, wo man am besten neue Produkte entwickeln kann, wo man das beste Technologie-Knowhow hat und die besten Mitarbeiter bekommt. Vor allem schwierig herstellbare Produkte kann man nicht irgendwo auf der Welt auf der grünen Wiese entwickeln und herstellen, nur weil die Wiese billig ist. Aber: Wenn der Kostendruck immer weiter steigt, müssen wir uns Gedanken machen. Hier ist auch die Politik gefragt. Deutschland muss ein attraktiver Standort bleiben, nicht nur für die Vermarktung, sondern auch für die Entwicklung und Herstellung von kostengünstigen, qualitativ hochwertigen Generika.

-Das größte Marktwachstum findet außerhalb Deutschlands statt - zum Beispiel in Osteuropa.

Nicht nur in Osteuropa. Auch in Lateinamerika oder in den asiatischen Ländern gibt es interessante Märkte. Natürlich investieren wir in diese Wachstumsmärkte und bauen dort Mitarbeiter auf. Aber gleichzeitig setzen wir nach wie vor auf den Standort Deutschland. In den vergangenen Jahren ist unser Geschäft in Deutschland schön gewachsen. Wir beschäftigen hier 4300 Mitarbeiter und für die neuen Gebäude in Holzkirchen haben wir 35 Millionen Euro investiert. Das ist ein klares Bekenntnis zum heimischen Standort.

-2007 haben sie 7,2 Milliarden Dollar umgesetzt. Bis 2010 sollen es zehn Milliarden werden. Erreichen Sie dieses Ziel?

Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Das Wachstum des weltweiten Generikamarktes wird für die nächsten Jahre auf etwa neun Prozent geschätzt. In dieser Größenordnung wollen wir mitwachsen.

-Planen Sie dazu auch Firmen-Übernahmen?

Wir setzen nicht nur auf organisches Wachstum. Die Integration von Hexal und Sandoz sehe ich als abgeschlossen. Wenn wir Gelegenheiten sehen, sind wir bereit für weitere Akquisitionen.

-Wo sehen Sie attraktive Übernahmeziele?

Es sind zwei Bereiche: Zum einen interessieren uns die Wachstumsmärkte in Osteuropa, Lateinamerika oder Asien. Zum anderen setzen wir stark auf Differenzierung und auf spezielle Technologien. Dazu gehören etwa die Themen Asthma und Inhalation, injizierbare Arzneimittel oder auch Biosimilars, also Generika im Bereich der biotechnologischen Präparate.

-Wie sehr leidet Sandoz unter dem starken Euro?

Wir haben in fast allen Bereichen eine gute regionale Verteilung. Lediglich bei unserem Antibiotika- und Antiinfektiva-Geschäft fallen alle Kosten in Europa an, während ein Großteil der Erlöse im Dollarraum erzielt wird. Aber nur deshalb neue Fabriken in den USA zu bauen, hat kaum Sinn, weil man nicht davon ausgehen kann, dass die Wechselkurse über 15 oder 20 Jahre stabil bleiben.

Interview: Dominik Müller und Christina Jachert-Maier.

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