"Wir werden rangeln müssen"

- "Ich gehöre nicht zu denen, die sich in Technologie verlieben", sagt Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Eine Entscheidung für den Münchner Transrapid dürfe "nicht aus irgendwelchen Emotionen heraus" fallen. Von der Industrie, die Fahrzeug und Fundament liefert, fordert er knallharte Garantien.

Vor 2012 fahre der Münchner Transrapid nicht, sagte neulich ein Bahn-Manager. "Spätestens 2010", fordert Ministerpräsident Stoiber. Was gilt denn nun?

Mehdorn: Der heutige Plan ist 2010. Wir haben natürlich Risiken, aber keinen Grund, vom Plan abzuweichen.

Die Bahn will bis zu zehn Prozent der Baukosten übernehmen.

Mehdorn: Ja. Wir sind immer mit Eigenleistung dabei.

Mit welchen Gesamtkosten kalkulieren Sie jetzt?

Mehdorn: Da wollen wir noch nicht rumspekulieren. Wir müssen erst die Angebote der Industrie ansehen, unsere Betriebskosten ermitteln, und dann kann man eine vernünftige Rechnung machen. Wir haben jetzt einen Projektkostenansatz . . .

. . . von 1,6 Milliarden Euro?

Mehdorn: Mit dieser Summe arbeiten wir bisher.

Sie klingen so rational beim Thema Transrapid. Kein Herzblut in der Schwebetechnologie?

Mehdorn: Es geht nur rational. Mich stört an dieser ganzen Transrapid-Diskussion, dass sie immer aus dem Bauch geführt wird. Wir sind nicht für irgendwelche Wünsche oder Prestigefragen da.

Es ist immerhin eine deutsche Technologie.

Mehdorn: Ich habe überhaupt kein Verständnis, warum der Transrapid zuerst in Deutschland fahren müsste. Dann soll es eben in China sein. Wir leben in einer globalen Welt, die sich mehr und mehr austauscht. Ich freue mich über jedes Stück Deutschland, das ich in China, Brasilien oder Amerika finde. Da muss man kein Rad auf dem eigenen Misthaufen schlagen, sondern da bauen, wo es am schnellsten und am besten geht.

Also bauen, egal wo?

Mehdorn: Mir reicht das, dass wir hier die Patente haben, möglichst daran verdienen und möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland damit sichern. Wir müssen uns freimachen, davon auszugehen, dass die Erdachse der Welt durch den Nabel von Deutschland geht. So wird das nicht funktionieren. Wir müssen unsere Geschäfte weltweit machen.

Wenn in ein paar Monaten rauskäme, die Wirtschaftlichkeit wäre grenzwertig - hätten Sie die Entschlossenheit, die Strecke München komplett zu kippen?

Mehdorn: Wenn das so wäre, würden wir das ganz sicher tun. Wir verfolgen das natürlich. Die Industrie schuldet uns jetzt ein Angebot und Garantien.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in München gebaut wird?

Mehdorn: Ich glaube, 90:10. Wir haben schwierige Fragen gelöst, jetzt ist die Frage: Was kostet das? Ich werde den Teufel tun und meinen Kopf aus dem Fenster halten, so lange die Industrie noch kein Angebot gemacht hat. Die muss jetzt sagen, was es kostet, und dann werden wir noch ein bisschen rangeln müssen.

Falls der Transrapid 2010 fährt - Otto Wiesheu würde ihn gerne als Minister eröffnen. Sind Sie dann noch als Bahn-Chef dabei?

Mehdorn: Gute Frage. Wissen Sie, der Otto Wiesheu ist ein junger Kerl, ich bin ein älterer Herr. Wenn der Transrapid eröffnet wird, bin ich auf jeden Fall dabei - ob als Bahn-Chef oder Fahrgast.

Das Interview führte Christian Deutschländer.

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