"Wir wollen Ruhe in den Markt bringen"

München - Die Löcher in der Bilanz der BayernLB treffen auch die Sparkassen im Freistaat. Ihnen gehört die Hälfte der zweitgrößten deutschen Landesbank. Wir sprachen mit dem Präsidenten des Bayerischen Sparkassenverbands Siegfried Naser.

Herr Dr. Naser, Sie sagten kürzlich, die bayerischen Sparkassen haben in 30 Jahren keinen Euro durch ihr Investment in die BayernLB verloren. Bleibt es auch heuer dabei?

Ich bin nach wie vor zuversichtlich. Aber niemand weiß, was sich aus dieser irrationalen Finanzkrise noch entwickelt.

Angenommen es gibt 2008 keine Dividende, weil die BayernLB rote Zahlen schreibt - was derzeit niemand ausschließt. Suchen sich die Sparkassen dann eine lukrativere Verwendung für ihr Kapital?

Das kann es für uns nicht geben. Wenn ich 30 Jahre eine gute Dividende bekomme und dann gibt es im 31. Jahr mal Probleme und ich stehle mich davon, dann wäre ich ein merkwürdiger Eigentümer. Schauen Sie sich andere Banken an, die teilweise über Jahre keine Dividende gezahlt haben. Wir stehen zur Bayerischen Landesbank.

Die BayernLB will ausfallgefährdete Wertpapiere in eine Zweckgesellschaft auslagern und mit einem milliarden-schweren Risikoschrim umgeben, für den auch die Sparkassen gerade stehen sollen. Sind die angesichts ihrer eigenen, operativen Probleme überhaupt dafür bereit?

Ich gehe davon aus, dass eine Risikoabschirmung unter den Sparkassen eine Mehrheit finden wird. Eine solche Garantieaussprache kostet die Sparkassen zunächst überhaupt nichts und belastet auch nicht das Eigenkapital. Das ist wie eine Bürgschaft, und ob die fällig wird, wird erstmals nach sechs Jahren entschieden, wenn Bilanz gezogen wird.

Und wenn die schlecht ausfällt?

Landesbank und Kapitaleigner erwarten, dass die Garantiesumme nicht fällig wird. Wir gehen davon aus, dass sich die Irrationalitäten den Finanzmärkten bis dahin aufgelöst haben und es auch zu Strukturveränderungen im Landesbankensektor kommt

Die Sparkassen setzen sich mit einer solchen Bürgschaft dennoch einem hohen Risiko aus.

Die Sparkassen und der Freistaat haften ohnehin für die Landesbank, egal was passiert. Wir installieren jetzt nur nochmal eine Sonderhaftung in einer außerbilanziellen Zweckgesellschaft, damit die Verwerfungen an den Finanzmärkten und deren Auswirkungen auf die BayernLB nicht jeden Tag diskutiert werden müssen. Mit dieser Lösung wollen wir eine gewisse Ruhe in den Markt bringen. Die Sparkassen erweitern ihre Haftungspflichten dadurch kaum, weil wir als Eigentümer für die Wertpapiere so oder so gerade stehen - egal ob sie in der Bilanz erfasst oder in eine Zweckgesellschaft ausgelagert werden.

Der Risikoschrim soll sechs Milliarden Euro schwer sein, wobei die Bank 1,2 Milliarden Euro selber trägt. Übernehmen Freistaat und Sparkassen von den restlichen 4,8 Milliarden als gleichwertige Eigentümer jeweils die Hälfte?

Ja, wir diskutieren eine 50-50-Abschirmung.

Wäre es Ihnen lieber wenn sich noch andere Geldgeber - vielleicht der ein oder andere Finanzinvestor - finden, der einen Teil der Bürgschaft mitträgt?

Wir sind stark genug, diese Garantie selbst zu übernehmen. Zumal wir davon ausgehen, dass sie nicht fällig wird. Aber wenn Dritte Interesse an der Abschirmung haben, stehen wir für Gespräche bereit.

Welche Vergütung fordern sie für Ihren Kapitaleinsatz von der Landesbank?

Soweit sind wir noch nicht gekommen. Wir müssen uns auf der Sparkassen-Verbandsversammlung Ende April erstmal darüber unterhalten, ob wir die Garantie wirklich geben. Aber davon gehe ich aus, nachdem ich heute in einer Gremiensitzung eine grundsätzliche Zustimmung bekommmen habe, diesen Weg zu prüfen. Auch der Landtag muss das erst einmal beschließen.

Nach der Jahrtausendwende musste Berlin seine Landesbank durch finanzielle Zuschüsse vor dem Aus retten. Wegen dieser Beihilfen musste sich die Stadt danach auf Druck der EU von dem Institut trennen. Könnte dem Freistaat bei der BayernLB wegen dem Risikoschirm dasselbe blühen?

Berlin waren ganz andere Dimensionen, da ging es um die Rettung der Bank. Dass die EU-Kommission ein Beihilfe-Verfahren einleiten wird und die Genehmigung mit gewissen Auflagen verbunden sein wird, ist nicht auszuschließen. Die Abschirmungslösung als solche wird sie aber sicherlich nicht beanstanden. Ich gehe davon aus, dass die Kommission verstehen wird, dass wir nur rational handeln, wie es jeder Privatinvestor tun würde.

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