Wirbel um Bio-Sprit E10: Keiner will’s gewesen sein

München - Fahrer älterer Autos, die die neue hohe Biosprit-Quote im Benzin nicht vertragen, bekommen Benzin bald nur noch zum teuren Super-Plus-Preis. Die Politik, die das Schlamassel verursacht hat, sieht tatenlos zu.

Noch 2008 hat die Politik die Notbremse gezogen. Damals schon sollten dem Benzin zehn Prozent Alkohol beigemischt werden. Fahrern älterer Autos, die so viel Alkohol nicht vertragen, wäre dann nur noch das teure Super Plus geblieben. Deshalb wurde die Verordnung damals gekippt. Im zweiten Anlauf 2011 sollte alles besser werden. Nun muss neben dem neuen E10 weiter das normale Super angeboten werden, ordnete die Regierung an. Das geschieht auch. Doch kostet dieser Sprit so viel wie Super Plus. Der ADAC wirft den Tankstellenbetreibern Abzocke vor.

Unerwartet kommt die Entwicklung nicht. Der Mineralölwirtschaftsverband hatte bereits im Dezember dargestellt, wie alles laufen wird: Verkaufen die Tankstellen zu wenig von dem Alkohol-Sprit, müssen sie hohe Strafen zahlen. Das wollen sie verhindern. Also wird Super, das in der Herstellung billiger ist als das Gemisch aus Benzin und Alkohol, verteuert. Anders würden Autofahrer nicht auf einen Treibstoff umsteigen, der wegen seiner chemischen Struktur auch noch den Verbrauch erhöht. Mit Hilfe der Regierung dürfen die verärgerten Betroffenen nicht rechnen. Zwar hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) im Januar gegenüber dem ADAC angekündigt, die Ölmultis müssten sich warm anziehen. Doch gestern erklärte seine Pressestelle, dass er dafür nicht zuständig sei, sondern Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Dessen Sprecher Thomas Hagbeck hält alles noch für zu neu für eine abschließende Bewertung. Außerdem sei es gewollt, dass der Sprit mit Beimischung billiger sei als der ohne. „Die Kunden werden sich bald darauf einstellen“, sagte er. Schließlich nutze der neue Sprit der Umwelt. Außerdem musste die Regierung eine EU-Richtlinie umsetzen. Dies hat aber außer Deutschland bisher nur Frankreich getan.

Auch die FDP sieht keinen Handlungsbedarf. Ihre Agrar-Sprecherin Christel Happach Kasan verweist darauf, dass man bei der Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe den Kfz-Sektor nicht ausklammern könne. Immerhin kündigte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) an, die Entwicklung der Preise genau zu beobachten.

Der Nutzen für die Umwelt, auf den sich die Politik beruft, ist freilich fragwürdig. Denn bereits bei der Produktion von Alkohol muss viel Energie eingesetzt werden. Wenn das billige Braunkohle ist, wird nach einer Studie des Mineralölwirtschaftsverbandes sogar 30 Prozent mehr CO2 ausgestoßen als bei der Verbrennung von Benzin aus Mineralöl. Bei Einsatz von Erdgas und wenn die Abwärme auch zu Heizzwecken genutzt wird, kommt man auf eine CO2-Einsparung von 35 Prozent – wenn der Alkohol aus heimischen Feldfrüchten gewonnen wird.

In keinem Fall wird aber der klimaschädliche Effekt durch die Rodung von Wäldern und Savannen für die Erschließung zusätzlicher Ackerflächen eingerechnet, kritisiert das unabhängige, ökologisch orientierte Münchner Umweltinstitut, das zum Boykott von E10 aufrief. Stattdessen solle Super getankt werden. Das empfahl das Institut aber vor der Preiserhöhung auf Super-Plus-Niveau.

Von einer völlig verfehlten Biosprit-Politik spricht Hans-Josef Fell, der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. „Besser als eine Beimischung wäre die Entwicklung von Motoren für reinen Biokraftstoff.“ So ließe sich eine ökologische Herstellung eher sicherstellen als bei der Beimischung in der Hand von Ölkonzernen.

Der ADAC rät nun den Autofahrern, dort zu tanken, wo das neue E10 noch nicht zu haben ist, dafür aber das normale Super zum günstigeren Preis. Ohnehin kommt aus der Zapfpistole nur in den seltensten Fällen das neue Super. Das ergab eine ADAC-Stichprobe. In zwölf von 13 Fällen enthielt der Sprit weniger als fünf Prozent Alkohol. Das ist normales Super. Das erklärt sich dadurch, dass die Behälter erst nach und nach mit dem neuen Sprit gefüllt werden. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Also bleibt Fahrern Alkohol-untauglicher Autos nur das teure Super, wenn sie keine Schäden riskieren wollen.

Martin Prem

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