Wirbel um Stellenverlagerung

- München - Der Gesamtbetriebsrat von Siemens fährt schwere Geschütze auf: Systematisch befinde sich der Münchner Konzern auf dem Rückzug aus Deutschland. 74 000 der insgesamt 170 000 Arbeitsplätze hier zu Lande seien in Gefahr, es drohe die Verlagerung in Niedriglohnländer. Der Standort Deutschland werde komplett in Frage gestellt. "Eine reine Milchmädchenrechnung", kontert ein Sprecher des Siemens-Konzerns, der dem Gesamtbetriebsrat zudem Panikmache attestierte.

Richtig sei, so der Sprecher, dass Siemens in der langfristigen Perspektive irgendwann ein Gleichgewicht zwischen Umsatz und Mitarbeiterzahl im In- und Ausland erreichen will. Heute erwirtschafte man bereits 80 Prozent im Ausland, während erst 60 Prozent der Beschäftigten außerhalb Deutschlands arbeiteten. Der Gesamtbetriebsrat habe daraus den Kurzschluss gezogen, dass die Differenz zur Verlagerung anstünde. "Das ist willkürliche Panikmache, dafür gibt es überhaupt keinen Plan", versicherte der Siemens-Sprecher.<BR>Der Prozess der Angleichung von Mitarbeiterzahl und Wertschöpfung habe in den 60er Jahren begonnen. Der Stellenaufbau im Inland sei flacher verlaufen als der Aufbau im Ausland, so dass die Spanne enger werde. "Das ist aber das Ergebnis einer natürlichen Entwicklung", erklärte der Sprecher.<BR><BR>Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann hatte zuvor sogar von einem groß angelegten Programm zur Arbeitsplatzvernichtung aus reiner Profitgier gesprochen. Der Betriebsrat lehnt in seinem Positionspapier auch die 40-Stunden-Woche ab und fordert öffentlichen und politischen Druck gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Die Siemens-Strategie bedrohe letztlich "den Industriestandort Deutschland als Ganzes", fürchtet der Betriebsrat.<BR><BR>Die Konzernleitung mit Vorstandschef Heinrich von Pierer an der Spitze verhandle derzeit über die Zukunft von lediglich 5000 Stellen, betonte dagegen der Siemens-Sprecher. Rund die Hälfte davon könne in Deutschland erhalten bleiben - "und wir haben den Willen dazu" - wenn man Zugeständnisse in Sachen flexiblerer und längerer Arbeitszeit von den Gewerkschaften erhalte. Richtig sei auch, dass Siemens neue Stellen eher im Ausland denn im Inland schaffe. Aber das Niveau der Mitarbeiterzahl in Deutschland solle auch langfristig gehalten werden.<BR>

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