Wirbel um Weltekes Nächte im Berliner Luxushotel Adlon

- Berlin - Bundesbank-Präsident Ernst Welteke hat nach einem "Spiegel"-Bericht vier Tage mit seiner Familie auf Kosten der Dresdner Bank im Berliner Luxushotel Adlon gewohnt. Die Rechnung belaufe sich auf 7661,20 Euro. CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte Welteke auf, sein Amt ruhen zu lassen, "bis alles restlos geklärt ist". Welteke bestätigte lediglich, die Dresdner Bank habe ihm zum Jahreswechsel 2001/02 einen Aufenthalt in dem Luxushotel bezahlt. Er sehe aber keinen Grund, sein Amt ruhen zu lassen.

<P>Der hohe Betrag kam nach Darstellung des Magazins zu Stande, weil Welteke und seine Frau sowie sein 25 Jahre alter Sohn und dessen Freundin jeweils in einer Suite übernachtet hätten. Ihre Aufgabe sei es laut Welteke gewesen, auf dessen dreijährigen Sohn aufzupassen.</P><P>Grund der Einladung vom 29. Dezember 2001 bis 2. Januar 2002 sei die von der Dresdner Bank veranstaltete Euro-Begrüßungsparty in der Silvesternacht vor der Einführung der neuen Währung gewesen. Welteke habe die Summe bestätigt, sehe aber keinen Interessenkonflikt, schreibt der "Spiegel". "Wenn ich schon an Silvester nach Berlin fahre, dann dehne ich das doch ein bisschen aus", zitiert das Magazin den Geldpolitiker und Sozialdemokraten. Weder er noch die Bundesbank hätten die Kosten erstattet. Dies sei "nie geprüft und auch nie an mich herangetragen worden".</P><P>Am Rande der EU-Finanzministerkonferenz in Punchestown bei Dublin wies Welteke Forderungen zurück, sein Amt ruhen zu lassen. "Wie käme ich denn dazu?" Er fügte hinzu: "Wenn ich an einer Veranstaltung eines Dritten teilnehme, gehe ich auch davon aus, dass von dem die Kosten übernommen werden." <BR>Ein Sprecher der Dresdner Bank bestätigte, dass Welteke - neben vielen anderen Prominenten _ in der Silvesternacht zur Euro-Einführung Gast des Geldinstituts war. Zu der Summe und den Einzelheiten konnte er nichts sagen. Die Bank lade ihre Gäste grundsätzlich ein. "Als Gastgeber ist das eine Frage der Höflichkeit."</P><P>Im Berliner Finanzministerium seien Weltekes "gelegentliche Eskapaden" bekannt, heißt es im "Spiegel". Man habe ihm zu verstehen gegeben, er solle "das abstellen". Eine Ministeriumssprecher sagte dazu: "Das ist völlig frei erfunden." Da die Bundesbank unabhängig ist, ist das Ministerium nicht weisungsberechtigt.<BR>CSU-Generalsekretär Söder sagte der "Bild am Sonntag", es sei ein Skandal, "weil das Amt des Bundesbankpräsidenten mit einem hohen Vertrauen verbunden ist". Welteke schade dem Ansehen Deutschlands, wenn er als oberster Währungshüter in den Geruch der Vetternwirtschaft komme. "Das stinkt gewaltig."</P><P>Der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter kündigte ein parlamentarisches Nachspiel an. Finanzminister Hans Eichel (SPD) und Welteke "müssen die Integrität der Bundesbankspitze sichern und umfassende Aufklärung leisten". Es müsse geklärt werden, in welchem Umfang Luxuseinladungen an Spitzenbeamte erfolgt und von ihnen angenommen worden seien. Eichel sagte in Irland, er sei ebenfalls auf der Veranstaltung in Berlin gewesen. Für ihn seien keine Kosten entstanden, weil er eine Berliner Wohnung habe.</P>

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