Wirbelsturm legt Ölförderung lahm: Preise klettern auf Rekordhoch

- New York/Hamburg - Der Hurrikan "Katrina", der am Montag durch den Golf von Mexiko tobte, wird vermutlich nicht nur in den USA so schwere Schäden anrichten, wie noch kein Wirbelsturm vor ihm. Er hat auch den Ölpreis auf neue Rekordhöhen geblasen. In Deutschland werden deswegen negative Auswirkungen auf die Konjunktur befürchtet.

Die amerikanischen Öl-, Benzin-, Heizöl- und Erdgaspreise erreichten allesamt Rekordniveau. So stieg der Ölpreis zeitweise auf 70,80 Dollar je Barrel. Er sank zwar später wieder unter 70 Dollar, lag aber deutlich höher als am Vorwochenschluss. US-Öl hat sich damit seit Jahresbeginn um 60 Prozent verteuert. Gleichzeitig legte wegen des Hurrikans auch Erdgas um 18 Prozent zu, Heizöl um sieben Prozent und Benzin um mehr als zehn Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement warnte angesichts des rasanten Anstiegs des Ölpreises vor Gefahren für die Konjunktur. "Ich sehe den stark gestiegenen Rohölpreis mit großer Sorge", sagte Clement. Die Entwicklung gefährde den Aufschwung der deutschen Wirtschaft, der gerade in Gang komme. Der Chef des Nürnberger Marktforschers GfK, Klaus Wübbenhorst, nannte den Ölpreis eine "ernste Gefahr" für die Konsumstimmung. "Eine Tankfüllung, die gegenüber dem Jahresbeginn um 40 Prozent teurer geworden ist, entzieht richtig Kaufkraft und drückt auf die Stimmung."

Trotz der Rekordpreise für Rohöl wollen aber die meisten Fluggesellschaften die Kerosin-Zuschläge vorerst nicht weiter erhöhen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Das "Handelsblatt" berichtet jedoch, dass zum 1. Oktober eine erneute Erhöhung der Gaspreise ansteht, da der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt ist. Die deutschen Aktien verzeichneten am Montag, belastet vom Ölpreis und der Furcht vor Hurrikan-Schäden, zunächst Verluste.

Zehntausende Mitarbeiter der Ölindustrie abgezogen

Wegen des riesigen Wirbelsturms sind zahlreiche Ölplattformen, Häfen, Raffinerien und petrochemische Werke geschlossen worden. Zehntausende Beschäftigte im Golf von Mexiko und in den anliegenden US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama wurden in Sicherheit gebracht. Insgesamt wurden nach Expertenschätzung rund eine Million Barrel Raffineriekapazität temporär stillgelegt. Wie lange die Liefer- und Produktionsunterbrechungen dauern werden, hängt von den Schäden ab, die der Hurrikan an den Öl- und Erdgasinstallationen im Golf von Mexiko und den anliegenden Küstengebieten anrichten wird.

Im Golf von Mexiko werden rund 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag für die USA produziert, etwa 600 000 Barrel entfallen durch die Schließung der Ölinstallationen. Der Golf von Mexiko erbringt mehr als ein Viertel der amerikanischen Öl- und Erdgasproduktion und ist damit das wichtigste US-Fördergebiet. Die in den Küstengebieten des Golfs liegenden Raffinerien repräsentierten fast 50 Prozent der US-Gesamtkapazität.

Hurrikan "Katrina" wird voraussichtlich der kostspieligste Wirbelsturm, der die USA je betroffen hat. Er könnte nach ersten Expertenschätzungen mehr als 30 Milliarden Dollar (24,5 Mrd. Euro) kosten und damit Hurrikan "Andrew" übertreffen, der 1992 Südflorida verwüstet und nach Schätzungen 26,5 Milliarden Dollar Schäden angerichtet hatte. Dies könnte die Versicherungs- und Rückversicherungskonzerne in aller Welt schwer treffen. Bei der Münchener Rück hieß es gegenüber unserer Zeitung, der Schaden sei noch nicht absehbar.

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