"Es wird 2006 richtig viel Geld verdient"

- München - Hermann Sturm hält es mit Schiller. Karl Schiller, dem Bundesfinanzminister der ersten Großen Koalition. "Die Pferde fangen wieder an zu saufen", lehnte Sturm, Präsident der Union Mittelständischer Unternehmen, sein Zitat während der Vorstellung der UMU-Wirtschaftsumfrage an das des großen Politikers der 70er-Jahre an. Den Fragebogen erhielten 4000 mittelständische Unternehmen, die bis zu 250 Angestellte beschäftigen.

Beteiligt hatten sich rund 600 angeschriebene Firmen. Sie sollten darin die derzeitige Wirtschaftslage, Investitionsneigung und die Reformmaßnahmen der Bundesregierung beurteilen. "Das sind die besten Ergebnisse, seitdem wir mit dieser Befragung begonnen haben", sagte Sturm.

So sind 84 Prozent der Befragten sicher, dass die wirtschaftliche Lage stabil bleibt (61,1 Prozent) oder sich gar zum Besseren wendet (23,9). "Das ist doch Optimismus pur", sagte Sturm, der gleichermaßen betonte, dass zudem die Zahl derjenigen Unternehmer (58 Prozent) gestiegen sei, die in 2006 Investitionen tätigen wollen. "Alle Indikatoren sind auf Wachstum gestellt", interpretierte Pressesprecher Jürgen Metzger die Zahlen.

Doch wenngleich die Mittelständler erwartungsvoll ins neue Jahr blicken, stehen sie der neuen Regierung skeptisch gegenüber. Drei Viertel der Befragten trauen Angela Merkel und Co. nicht zu, die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu senken. Und dabei sieht gut ein Drittel der Befragten in der Beschäftigungspolitik den wichtigsten Handlungsbedarf. 50 Prozent bezweifeln, dass die Große Koalition die Wirtschaft durch neue Reformen ankurbeln kann. Ganze 67 Prozent der Teilnehmer erwarten aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung, die für 2007 angesetzt ist, eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. "Es gibt keine Vorschusslorbeeren", unterstrich Metzger. Die Verantwortlichen müssten sich erst beweisen.

2006 hingegen sorge die geplante Steuerreform für den großen Boom, ist Sturm überzeugt. "Es wird 2006 richtig viel Geld verdient." Und auch die Fußball-Weltmeisterschaft gebe der Konjunktur einen Schub. Ob der derzeitig vorherrschende Optimismus aber auch 2007 noch versprüht oder vom schwarzen Loch der Mehrwertsteueer-Erhöhung geschluckt wird, ist - wenn man es mit Euklid hält - erst noch zu beweisen.

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