So wird der Altbau zum Sparhaus

München - Eine neue Heizung und eine bessere Dämmung kosten leicht mehrere Tausend Euro - und doch lohnt sich die Modernisierung. Denn der Energiebedarf in einem Haus lässt sich oft um rund 70 Prozent mindern. Für die Modernisierung gibt es günstige Fördermittel.

Eine neue Heizung und eine bessere Dämmung kosten leicht mehrere Tausend Euro - und doch lohnt sich die Modernisierung. Denn der Energiebedarf in einem Haus lässt sich oft um rund 70 Prozent mindern. Für die Modernisierung gibt es günstige Fördermittel.

Die meisten Häuser in Deutschland gehören zu den 20-Liter-Häusern: Pro Quadratmeter Wohnfläche verbrauchen ihre Bewohner 20 Liter Heizöl oder 20 Kubikmeter Gas. Ein heute gebautes Haus kommt mit sieben Litern aus. Nicht nur der Klimaschutz ist für viele ein Grund, über Energiesparmaßnahmen nachzudenken, sondern vor allem der Geldbeutel. Wer 3650 Liter Heizöl im Jahr tanken muss, wie eine Musterfamilie von Finanztest, zahlt dafür zurzeit knapp 2000 Euro. Bei einer jährlichen Preissteigerung von fünf Prozent kommen so in 20 Jahren über 60 000 Euro zusammen.

Bis zu 90 000 Euro

Beträgt die Preissteigerung wie im Mittel der letzten zehn Jahre 8,4 Prozent, geben die Bewohner des Musterhauses im Laufe von 20 Jahren sogar über 90 000 Euro für Heizung und Warmwasser aus. Gelingt es durch eine Sanierung, den Energieverbrauch zu halbieren, sparen sie ordentlich. Technisch möglich ist oft eine Minderung des Energiebedarfs von 70 bis 80 Prozent. Dafür ist aber eine Rundumdämmung des Hauses inklusive neuer Heizung notwendig, und das kostet schnell 40 000 Euro und mehr.

Neuer Heizkessel

Aber auch mit einzelnen Maßnahmen lässt sich viel erreichen. Die Heizung zum Beispiel. Wenn noch ein alter Heizkessel im Keller steht, ist seine Erneuerung meist die Investition, die sich am schnellsten bezahlt macht. Ein Heizkessel aus dem Jahr 1978 verliert täglich eine Wärmemenge, die etwa 2,5 Litern Heizöl entspricht. Wenn der Heizkessel 365 Tage im Betrieb ist, weil er auch für Warmwasser sorgt, kommen so 912 Liter oder 550 Euro im Jahr zusammen. Geld, das durch den Schornstein geht. Die Ausgaben für einen neuen Kessel hat der Eigentümer meist nach wenigen Jahren wieder zurückgeholt.

Warm einpacken

Noch mehr Energie als durch uneffiziente Heizkessel geht in der Regel durch schlecht gedämmte Außenwände und das Dach verloren. Ist das Dach nicht ausgebaut, bringt zum Beispiel schon die Dämmung der obersten Geschossdecke enorm viel. Auch kalte Kellerdecken oder schlecht gedämmte Rolllädenkästen und Heizkörpernischen lassen sich einfach und preiswert abdichten.

An Lüftung denken

Je besser das Haus gedämmt ist und je dichter die Fenster sind, desto wichtiger ist es, für ausreichend Luftaustausch zu sorgen. Eine Lüftungsanlage ist deshalb neben der Wärmedämmung und einer modernen Heiztechnik das dritte wichtige Element. Der Trick: Ein Großteil der Wärme aus der Abluft wird genutzt, um die ins Haus strömende kühlere Außenluft zu erwärmen.

Geld vom Staat

Die Bundesregierung stellt rund 1,4 Milliarden Euro jährlich dafür zur Verfügung, dass die staatliche Förderbank KfW Fördermittel und -kredite auszahlt. Weist man nach, dass das Haus nach einer Modernisierung höchstens noch so viel Energie verbraucht wie ein vergleichbares neu gebautes Haus, bekommt man besonders gute Konditionen (siehe Kasten).

Was man bei Energiespar-Maßnahmen beachten sollte

Sparpotenzial: Eine grobe Überschlagsrechnung zeigt Ihnen, wie viel Sie sparen können. Ein gut gedämmter Altbau verbraucht etwa sieben Liter Heizöl (oder sieben Kubikmeter Gas) pro Quadratmeter und Jahr. Multiplizieren Sie diese Zahl mit Ihrer Wohnfläche, also zum Beispiel 7 x 120 Quadratmeter = 840 Liter. Wenn Ihr Altbau 2800 Liter verbraucht, können Sie jedes Jahr 2000 Liter sparen.

Reihenfolge: Sie können Ihr Haus statt in einem Durchgang auch Schritt für Schritt sanieren. Fragen Sie einen Fachmann nach der richtigen Reihenfolge. Wer beispielsweise neue Fenster einbaut, ohne vorher die Wand gedämmt zu haben, riskiert Schimmelprobleme.

Energieberatung: Nehmen Sie eine neutrale Vor-Ort-Beratung in Anspruch. Sie wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit 175 bis 250 Euro bezuschusst. Beim Bafa finden Sie auch eine Liste aller zugelassenen Energieberater (0 61 96) 90 82 62. Der Berater rechnet aus, welche Investition welche Energieersparnis bringt, und was wirtschaftlich ist.

Heizung erneuern: Kaufen Sie lieber einen neuen Heizkessel, anstatt einen alten zu reparieren. Die Anschaffung amortisiert sich nach wenigen Jahren. Kessel, die älter als 20 Jahre sind, verschwenden besonders viel Energie. Auch die Montage eines neuen Brenners ist nur eine halbherzige Lösung.

Schornstein: Häufig werden alte Schornsteine für neue Steigleitungen oder ähnliches genutzt. Lassen Sie mindestens einen Zug frei. So können Sie einen Kaminofen anschließen und in der Übergangszeit Heizkosten sparen.

Die wichtigsten Förderprogramme bietet die Kfw Bank: (0 18 01) 33 55 77

- Standardmaßnahmen zur Modernisierung: Bis zu 100 000 Euro pro Wohnung, Effektivzins je nach Laufzeit 4,51 bis 4,96 Prozent.

- Öko-Plus-Maßnahmen (Wärmedämmung, Heizungserneuerung, etc.): Bis zu 50 000 Euro pro Wohnung, Zins 2,98 bis 3,6 Prozent.

- CO2-Gebäudesanierung (Kreditvariante): Energiesparmaßnahmen, durch die vor 1984 gebaute Häuser mindestens die Werte der Energie-Einsparverordnung erreichen. Maximal 50 000 Euro pro Wohnung, Effektivzins 2,52 bis 2,68 Prozent, Tilgungszuschuss 5 bis 12,5 Prozent.

- CO2-Gebäudesanierung (Zuschussvariante): Für die gleichen Maßnahmen wie bei der Kreditvariante gibt es Zuschüsse bis zu 8750 Euro.

Marktanreizprogramm: Die Bafa bezuschusst Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung mit 60 Euro je Quadratmeter Kollektorfläche, Solarkolletoren zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung mit 105 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche, Pelletkessel mit 36 Euro je Kilowatt mindestens 1500 Euro, Hackschnitzelkessel 750 Euro, Scheitholzvergaserkessel 1125 Euro (0 61 96) 80 86 25.

Nachwachsende Rohstoffe: Die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe bezuschusst Dämmstoffe für die Wärme- und Schallisolierung auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen (zum Beispiel Schafwolle, Hanf, Flachs, Getreidegranulat) mit 25 bis 35 Euro je Kubikmeter Dämmstoff (0 38 43) 6 93 01 80.

Weitere Folgen

Kaum ein Ausgabeposten hat die deutschen Verbraucher in den vergangenen Jahren so belastet wie die explodierenden Energiekosten. Der einzige Weg, den Preisanstieg abzumildern, lautet Sparen. Wie das geht und was es auf den Euro genau bringt, die Kühlschranktür nur kurz zu öffnen oder einen Eierkocher zu nutzen, zeigen wir in loser Folge auf der Geld & Markt-Seite. Morgen finden unsere Leser hier Tipps zum Kochen und Backen.

Weiterführende Links:

www.kfw-foerderbank.de

www.bafa.de

www.naturdaemmstoffe.de

www.energiefoerderung.info

www.co2online.de

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