MuM wird zur Europa AG

- Weßling - Bisher hat in Deutschland nur der Versicherungsgigant Allianz angekündigt, keine deutsche Gesellschaft mehr sein zu wollen, sondern eine Europa-AG. Ihm folgt jetzt (vergleichsweise) ein Winzling an der Börse. Das Weßlinger Softwareunternehmen Mensch und Maschine (MuM) wird zur Societas Europaea (SE). MuM-Chef Adi Drotleff streicht deren Vorteile für kleine unternehmergeführte Gesellschaften heraus.

Die jetzige Situation beschreibt der einstige Börsenpionier als wenig überzeugend: Drotleff und der Technologie-Vorstand Werner Schwenkert haben mit nahezu 50 Prozent der Aktien praktisch immer eine Hauptversammlungsmehrheit. Sie müssen sich einen Aufsichtsratsvorsitzenden suchen, der dann auf Drotleff - in seiner Funktion als Vorstandschef - aufpasst. "Ich bewundere jeden Aufsichtsratsvorsitzenden, der in eine solche Konstellation reingeht", sagt der Unternehmer. "Das ist schwierig."

Diese Schwierigkeiten wird es bei MuM künftig nicht mehr geben: Denn die strenge Trennung zwischen Aufsichtsfunktion und Geschäftsführung wird mit der SE aufgegeben: Der Hauptaktionär Drotleff sitzt einem Verwaltungsrat vor, dem auch zwei der bisher drei Aufsichtsräte angehören. Und er ist gleichzeitig der Chef eines "geschäftsführenden Direktoriums", dem außer ihm vier der bisher fünf Vorstandsmitglieder angehören. Dieses angelsächsische "Board-System" soll auf der Hauptversammlung im Mai 2006 rückwirkend auf den 1. Januar 2006 eingeführt werden. Es passt, wie Drotleff einräumt, nur für unternehmergeführte Gesellschaften. Die Kosten der Umstellung beziffert er mit 20 000 Euro. Die Einsparungen seien "deutlich höher".

Auch aus anderen Gründen biete sich, so Drotleff, für MuM die SE geradezu an. Er verweist auf Gesellschaften in sieben EU-Staaten und einen Auslandsanteil von 70 Prozent des Umsatzes. Mensch und Maschine sei "geradezu der Prototyp einer Europa-AG".

Die Zahlen, die der Vorstandschef Adi Drotleff für das dritte Quartal melden konnte, dürften auch dem Hauptaktionär Adi Drotleff Freude machen. Der Umsatz von 36,1 Millionen Euro übertraf den Vorjahreswert um 24 Prozent und die Prognose von 32 Millionen Euro. Statt eines Verlustes von 250 000 Euro (Vorjahreswert) wurde ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 0,7 Millionen Euro eingefahren. Das Neun-Monatsergebnis sieht noch besser aus: Allerdings sind in 8,8 Millionen Euro Betriebsergebnis, 6,3 Millionen aus zwei Beteiligungsverkäufen enthalten.

Die Bankschulden des Unternehmens wurden in den ersten neun Monaten des Jahres von 25,4 Millionen Euro auf 13,8 Millionen Euro reduziert. Die Prognose fürs Gesamtjahr hat MuM angehoben: Drotleff erwartet nun einen Umsatz von 150 Millionen Euro (statt 145 Millionen Euro) und ein Betriebsergebnis am oberen Rand der bisherigen Spanne von elf bis zwölf Millionen Euro. Für 2006 erwartet Drotleff weiteres Wachstum auf 165 Millionen Euro Umsatz. Das Ergebnis allerdings wird, weil keine weiteren Beteiligungsverkäufe geplant sind, auf 7 Millionen Euro sinken.

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