RWE wird zum Kaufkandidat

Strommarkt: - Essen - Der deutsche Energieriese RWE könnte übernommen werden. Zwar dementierte der französische Konkurrent EdF Kontakte zur Bundesregierung in dieser Frage. Doch an der Börse glaubt mancher, dass der Milliardenkonzern RWE bald zum Kaufobjekt werden könnte.

Deutschlands Energieriese Nummer zwei, der Essener RWE-Konzern, zählt zu den lukrativen Übernahmezielen auf dem europäischen Energiemarkt. Dort heißt es momentan: Kaufen oder gekauft werden. "Deutsche Konzerne sind gut aufgestellt und damit ein lukratives Übernahmeziel", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Das könnte man sich auch beim französischen Konzern Electricité de France (EdF) denken. Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) will dieser RWE übernehmen und dafür seine 45- Prozent-Beteiligung bei der baden-württembergischen EnBW aufgeben, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen. Vertreter des französischen Unternehmens seien bereits im Bundeskanzleramt vorstellig geworden.

Die Bundesregierung hat Kontakte zu EdF wegen einer Übernahme von RWE dementiert. Die Regierung habe keinen Kontakt zu EdF wegen angeblicher Übernahmepläne gehabt, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Auch EdF wies Berichte über Gespräche mit deutschen Behörden zurück. Allerdings blieb offen, ob es auf anderer Ebene Kontakte gab. Der Essener Energieversorger RWE wollte sich nicht zu den Übernahmespekulationen äußern. "Wir kommentieren Marktspekulationen grundsätzlich nicht", sagte ein Sprecher. Und der Markt spekulierte kräftig. An der Börse stieg die RWE-Aktie am Freitag zeitweise um rund fünf Prozent.

Erst kürzlich hatte sich der deutsche Eon-Konzern die Zähne an der spanischen Endesa ausgebissen. Gegenüber dem italienisch-spanischen Duo aus Enel und Acciona konnte Eon die Übernahme nicht durchsetzen. So schwierig sich der geplante Endesa-Deal für Eon gestaltete, so dürfte auch eine RWE-Übernahme für Konkurrenten mit Handicaps belastet sein. An RWE sind zu 28 Prozent Kommunen beteiligt. "Ohne eine Einigung mit den kommunalen Aktionären ist eine Übernahme nicht realistisch", sagt Kurz. Dann könnten wichtige Satzungsänderungen nicht durchgesetzt werden, die einer Mehrheit von 75 Prozent bedürfen.

Weniger Probleme dürften die 70 Prozent breit gestreuten Aktien bereiten. Einen Großaktionär gibt es nicht. Mit einem guten Angebot könnten diese 70 Prozent durchaus erworben werben, meint Kurz. "Das wäre zwar teuer, aber durchaus möglich. Einen Großaktionär zu überzeugen ist dagegen meist haarig und teurer." Die Übernahme durch die französische EdF hält Kurz allerdings für wenig wahrscheinlich.

Das sehen nicht alle so. Ein Branchenkenner wollte nicht ausschließen, dass die Franzosen tatsächlich auf den Essener Energieriesen schielen. RWE sei schon in der Vergangenheit Gegenstand von Übernahmespekulationen gewesen. Zuletzt gab es Gerüchte um den russischen Energieriesen Gazprom, die aber von beiden Seiten ins Reich der Fabeln verwiesen wurden.

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