Aus dem SSV wird der München-Schlussverkauf

- München - Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bundespräsidenten Horst Köhler wird es wohl sein, den Sommer-Schlussverkauf abzuschaffen. Zum 1. Juli tritt das neue deutsche Staatsoberhaupt sein Amt an. Wenig später dürfte die vom Bundestag beschlossene Neufassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in seinem Büro zur Unterschrift vorliegen. Damit wird die einheitliche Festlegung von SSV und WSV hinfällig. Jeder Laden kann dann Sonderverkäufe veranstalten, wann er will. Damit der aus Händlersicht attraktive allgemeine SSV nicht verschwindet, wollen ihn die Betriebe jetzt selbst organisieren. Groß-Konzerne könnten ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

<P>Selbst der Tagesschau war es im Halbjahres-Rhythmus eine Meldung wert, wenn am ersten Tag eines Schlussverkaufs die Pforten der Konsumtempel aufschwangen und Menschen an die Wühltische stürmten. Diese Wirkung auf Kunden und Medien wollen insbesondere kleine Händler bewahren - nur ist zweifelhaft, ob das ohne Gesetzeszwang funktioniert. Aufgrund kartellrechtlicher Vorschriften dürfen sich die Handelsunternehmen nicht selbst auf einen festen Termin zum Schlussverkauf verpflichten. Der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels, dem vor allem kleine und mittlere Betriebe angehören, will dies umgehen, indem er eine "unverbindliche Mittelstandsempfehlung" herausgibt. Diese lautet: Wie im bisherigen Zeitplan vorgesehen soll der SSV heuer am 26. Juli beginnen.<BR><BR>"Es können alle mitmachen und das werden sie wohl auch", erwartet LBE-Hauptgeschäftsführer Günter Gross - insbesondere in kleineren Städten, die zum Beispiel unter dem Schlagwort "Starnberg-Schlussverkauf" als lokale Angebote auf sich aufmerksam machen sollen.<BR><BR>Heuer wohl noch einheitlicher Termin</P><P>"Wenn eine ganze Stadt Schlussverkauf macht, wirkt das stärker, als wenn es nur einzelne Unternehmen tun", argumentiert LBE-Präsident Erich Vorwohlt. Das gilt auch für die Landeshauptstadt, wo am 26. Juli der "München-Schlussverkauf" starten soll. Allerdings gibt es hier noch einige Wackelkandidaten.<BR><BR>Kaufhauskonzerne könnten in Großstädten mit eigenen Aktionen vorpreschen, um die Schnäppchenjäger vor dem empfohlenen Schlussverkaufs-Termin abzugreifen, ist in Branchenkreisen zu hören. "Im Sinne der Standortvermarktung besonders von City-Lagen sind gemeinschaftlich durchgeführte Aktionen natürlich zu begrüßen", heißt es beim Handelsverband LAG, dem vorwiegend Großbetriebe angehören. "Mittel- und langfristig ist jedoch damit zu rechnen, dass die Betriebe ihre Sonderaktionen zu individuell zugeschnittenen Zeiten durchführen werden." Immerhin konnte der LBE den Kaufhaus-Riesen das Versprechen abringen, sich auch an einem gemeinsamen Schlussverkauf zu beteiligen, wenn sie vorher schon einen eigenen durchgeführt haben.<BR><BR>Beim diesjährigen Sommer-Schlussverkauf rechnet der LAG noch nicht mit Frühstartern unter den Kaufhäusern. Zum einen seien die Verbraucher den Rhythmus gewohnt, zum anderen sei "eine alternative Planung in der Kürze der Zeit kaum durchführbar". Zumindest diesmal sollten also am 26. Juli alle Ladentüren einheitlich zum Schlussverkauf aufschwingen.<BR></P>

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