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Wirecard-Aktie: IPO, Kurs-Rallye, Dax-Aufstieg und Insolvenz – das passierte an der Börse

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 Die Aktie von Wirecard auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse.
Die Wirecard-Aktie ist auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse unter den DAX 30-Werten mit dem Kürzel WDI gelistet. © picture alliance/Arne Dedert/dpa

Wirecard-Aktien waren heiß begehrt. Doch das änderte sich schlagartig nachdem eine Marktmanipulation in nie da gewesenem Ausmaß bekannt wurde.

München / Aschheim – Die Wirecard-Aktie ist im Prime Standard gelistet und soll höchstwahrscheinlich noch im August 2020 aus dem DAX ausgeschlossen werden. Hintergrund ist die Marktmanipulation, die dem Zahlungsdienstleister von der Staatsanwaltschaft München I unter Leitung der Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehle gegen mehrere ehemalige Führungskräfte beantragt, darunter auch gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun. Zuvor war festgestellt worden, dass 1,9 Milliarden Euro eines Treuhandkontos fehlten und wahrscheinlich nicht existierten. Bereits im Juli 2020 musste die Wirecard AG Insolvenz beantragen, der Aktienkurs war nach Bekanntgabe der fehlenden Gelder zwischenzeitlich um etwa 95 Prozent eingebrochen.

Wirecard-Aktie: Vom Highflyer zum Graus für Kleinanleger

Die Wirecard-Aktie ist vom Highflyer und einstigen Anlegerliebling nun zur Zielscheibe von Sammelklagen geschädigter Kleinanleger und Anleger geworden. Im Jahr 2005 wurde in einer außerordentlichen Hauptversammlung der InfoGenie – der Vorgängerfirma von Wirecard – beschlossen, die bis dato nicht börsennotierte Wire Card AG durch eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage in InfoGenie einzubringen und in Wire Card AG umzubenennen. Damit wurde die Wire Card AG durch ein Reverse-IPO zur gelisteten Aktiengesellschaft. Rund zwölf Monate später wurde die Wire Card AG dann schließlich in Wirecard umbenannt und im gleichen Jahr (2006) auch in den TecDAX aufgenommen: ein deutscher Aktienindex, der neben dem DAX, dem MDAX und dem SDAX zum Prime Standard der Deutschen Börse AG zählt. Als Basis zur Berechnung des bekanntesten Aktienindex – dem DAX – werden die Preise des börslichen Handelsplatzes der Frankfurter Wertpapierbörse Xetra genutzt.

Wirecard-Aktie: Für Shortseller ein Gewinn

Für Shortseller, die auf eine Talfahrt der Wirecard-Aktie gesetzt hatten, war der Juni 2020 ein äußerst lukrativer Monat. Noch bevor der Zahlungsdienstleister im Juni mitteilte, dass die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young das Testat 2019 verweigern würde, hatten Shortseller Wirecard zu ihrem Lieblingsziel auserkoren. So konnten sie insgesamt einen Buchgewinn von unglaublichen 2,6 Milliarden US-Dollar verbuchen. Das gaben Datenanalytiker von S3 Partners bekannt. Das sogenannte Short Selling („Leerverkauf“) ist eine Handelsmethode, bei der Shortseller auf fallende Kurse der Aktien eines Unternehmens spekulieren.

Schon 2016 konnten Shortseller mächtig von der Wirecard-Aktie profitieren. Damals hatte das Unternehmen Zatarra Research dem Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München betrügerische Machenschaften vorgeworfen. Die Wirecard AG hatte die Vorwürfe zwar zurückgewiesen, doch der Aktienkurssturz vernichtete binnen Minuten einen Börsenwert von 1,3 Milliarden Euro. Das war nicht das erste Mal in der Geschichte von Wirecard, dass der Aktienkurs dramatisch einbrach: 2008 veröffentlichte ein anonymer Nutzer in einem Internetforum eine kritische Analyse zur Wirecard-Aktie. Nachdem dann auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Unternehmen irreführende Bilanzierung vorwarf, brach die Aktie zwischenzeitlich um 70 Prozent ein. 2010 fiel das Papier des Zahlungsdienstleisters nach einer Falschmeldung des Nachrichtendienstes Goldman, Morgenstern & Partners um mehr als 30 Prozent. Damals leitete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die erste Ermittlung gegen die Wirecard AG ein.

Die „Financial Times“ bringt Wirecard-Aktie 2019 zu Fall

Mit ihrer Berichterstattung, die viel Schwung in den gesamten Wirecard-Fall bringen sollte, sorgte auch die „Financial Times“ im Februar 2019 für einen Kursverlust der Wirecard-Aktie. Der Aktienkurs fiel von rund 167 Euro auf bis unter 86 Euro. Die Zeitung hatte dem Finanzdienstleister unter anderem vorgeworfen, Umsätze zu erfinden, um eine Geschäftslizenz in Hongkong zu erhalten.

Wirecard-Aktien: Die Kursentwicklung nach der Insolvenz

Die Wirecard-Aktie gehört seit Wochen zu den Verlustbringern des Tages und notiert an der Frankfurter Börse in Rot. Zuletzt (Stand: August 2020) musste sie erneut einen Tagesverlust von 3,2 Prozent hinnehmen und rutschte auf 1,64 Euro ab. Den erwarteten Gewinn je Wirecard-Aktie für das Jahr 2021 setzen Experten auf 6,41 Euro fest. Es ist zu erwarten, dass der Finanzdienstleister noch im August 2020 aus dem DAX ausgeschlossen wird. Bis spätestens 13.08.2020 will die Deutsche Börse das Ergebnis einer Konsultation mit Marktteilnehmern über Änderungen der Index-Regeln veröffentlichen. Wirecard müsste damit noch im August den DAX verlassen und nicht erst nach der regulären Index-Überprüfung Anfang September.

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