Wirecard-Bezahlkarte: In Berlin will nun ein Untersuchungsausschuss die Hintergründe des milliarden-schweren Skandals aufklären.
+
Wirecard-Bezahlkarte: In Berlin will ein Untersuchungsausschuss die Hintergründe des milliarden-schweren Skandals aufklären.

Untersuchungsausschuss

Vertuschungsvorwurf: Sonderprüfer kritisiert fehlende Kooperation von Wirecard - „Auf erhebliche Hürden gestoßen“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

Die Sonderprüfer von KPMG beim ehemaligen Dax-Konzern Wirecard hat dem Unternehmen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages indirekt Vertuschung vorgeworfen.

  • Der Wirecard-Skandal hat das Vertrauen viele Anleger in die deutsche Finanzaufsicht und die Wirtschaftsprüfer schwer erschüttert.
  • Jahrelang hatte EY die Abschlüsse des Zahlungsdienstleisters brav testiert.
  • KPMG hat bei einer Sonderprüfung frühzeitig Hinweise gefunden, dass etwas im Argen lag in Aschheim bei München. EY verweigert dennoch die Aussage.
  • Unser kostenloser Wirtschafts-Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit allen relevanten News aus der Branche. Hier geht es zur Anmeldung.

Berlin - Der Wirtschaftsprüfer, der für die Sonderprüfung zum Bilanzbetrug beim früheren Dax*-Unternehmen Wirecard* verantwortlich war, hat deutliche Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. „Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen“, sagte Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden.

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt. Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Wirecard: KPMG-Sonderprüfung brachte den Skandal erst so richtig ins Rollen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG war im Oktober 2019 mit der Sonderprüfung beauftragt worden, nachdem es mehrere Berichte über Unregelmäßigkeiten bei dem Tech-Konzern gab. Ihr Untersuchungsbericht brachte den Skandal erst richtig ins Rollen. Im Sommer räumte der inzwischen insolvente Dax-Konzern dann Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein.

Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen machte nach bisherigem Stand der Ermittlungen jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit 2015 Scheingewinne auswiesen wurden. Allein Banken und Investoren verloren nach ihren Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro.

Insgesamt haben die Gläubiger Forderungen über 12,4 Milliarden Euro angemeldet. Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat mit dem Verkauf von Unternehmensteilen oder der Technologie-Plattform nach Informationen von Merkur.de* bislang rund 500 Millionen Euro erlöst. Damit dürften die Gläubiger auf dem aller größten Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben.

Wirecard: Wirtschaftsprüfer EY will sich um Aussage drücken

Der langjährige Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY hüllt sich dagegen weiter in Schweigen. Man werde von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen, teilte EY mit. Zur Begründung hieß es, man sei nicht von der Schweigepflicht entbunden. In Berlin sorgt diese Auffassung jedoch für Fassungslosigkeit. (dpa/utz) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Kommentare