Der Schriftzug von Wirecard ist an der Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters zu sehen.
+
Zu den Leistungen von Wirecard zählte vor allem der elektronische Zahlungsverkehr.

Alles über den Finanzdienstleister

Wirecard: Diese Leistungen hat der Zahlungsdienstleister aus Aschheim angeboten

Zu den Wirecard-Leistungen zählte der elektronische Zahlungsverkehr, das mobile Bezahlen, Kreditkarten, E-Commerce und mehr. Dann kam die Insolvenz.

  • Wirecard konnte es durch seine Leistungen – allen voran im elektronischen Zahlungsverkehr – bis zum DAX-Konzern bringen.
  • Zu den Dienstleistungen von Wirecard zählten außerdem mobiles Bezahlen, E-Commerce, das Angebot von Kreditkarten und mehr.
  • Nach einem der größten Bilanzskandalen musste der Finanzdienstleister schließlich Insolvenz anmelden und wird wohl bald aus dem DAX ausgeschlossen.

München / Aschheim – Durch seine Leistungen im elektronischen Zahlungsverkehr konnte Wirecard zum Milliardenkonzern aufsteigen. Im Jahr 1999 gegründet, spezialisierte sich das damalige Start-up mit Sitz in Aschheim bei München zudem auf die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten und später auch auf mobiles Bezahlen. Mit Wirecard können sowohl Apple Pay als auch Google Pay in Online-Shops, der mobilen App oder am Point of Sale integriert werden. Zudem bietet der Finanzdienstleister E-Commerce-Lösungen für Online-Bezahlsysteme an. Noch im März 2020 baute Wirecard sein E-Commerce-Angebot für chinesische Online-Händler weiter aus und ermöglichte es europäischen Händlern, die beliebte Zahlungsmethode WeChat Pay in ihre Online-Shops einzubetten.

Wirecard-Leistungen: Das Checkout-Portal

Zu den Dienstleistungen von Wirecard zählte seit 2014 auch das sogenannte Checkout-Portal: eine Zahlungslösung für Online-Shops, die sich an kleine und mittelständische Unternehmen sowie virtuelle Marktplätze richtet.

Damit ist es möglich, den Kunden die bevorzugte Zahlungsart zur Verfügung zu stellen und die Konversionsrate zu erhöhen. Wirecard verspricht damit unter anderem eine schnelle und unbürokratische Integration, unkomplizierte Registrierungen in Echtzeit sowie individuell anpassbare Zahlungsmethoden.

Die Wirecard-Leistungen im Überblick

  • Elektronischer Zahlungsverkehr
  • Softwaretechnologie
  • Bankprodukte
  • End-to-end-Solutions basierend aus Internet-Technologien und Bankdienstleistungen
  • Globales Multi-Channel Gateway für internationale Zahlungsakzeptanzen und Auszahlungen
  • Betrugsprävention
  • Zahlungsabwicklung für alle Vertriebskanäle - offline, online, mobile
  • Unterstützung bei Einführung eigener Zahlungsinstrumente (Karten- oder Mobile Payment Lösungen) via end-to-end-Infrastruktur
  • Innovative Software-basierte Bankprodukte (SCP – virtuelle Kreditkarten, Payout Cards, Co-branded Karten)
  • Lizensierter Multibrand-Acquirer - globales Acquiring Netzwerk und Issue

Wirecard-Leistungen: Kooperation mit Kreditkarten und Boon

Zu den Wirecard-Leistungen zählte die Nutzung der virtuellen Kreditkarte – der Wirecard – in Online-Shops, die Kreditkarten wie beispielsweise die Mastercard oder Visa akzeptierten. Doch die beiden Kreditkartenanbieter haben nach Bekanntwerden des Bilanzskandals rund um Wirecard die Kooperation beendet.

Mit der App Boon – einer Leistung von Wirecard – hatten Nutzer zudem die Möglichkeit, Geld auf eine virtuelle Prepaid Mastercard einzuzahlen und dann die App via NFC für kontaktloses Bezahlen zu nutzen. Der insolvente Finanzdienstleister stellt diese virtuelle Kreditkarte im Oktober 2020 ein. Wie das Unternehmen im August 2020 mitteilte, sollen Kunden ihr noch vorhandenes Guthaben bis zur Einstellung abziehen oder aufbrauchen, da sonst Gebühren erhoben werden könnten. Was aus dem ähnlichen Service Alipay für den chinesischen Markt wird, ist bis dato noch nicht bekannt.

Leistungen: Die Wirecard-Bank und die Banklizenz

Um die Wirecard-Leistungen zu gewährleisten, wurde 2006 die Wirecard Bank gegründet. Damit Wirecard Verträge mit beispielsweise Kreditkartenunternehmen abschließen konnte, war es nötig, eine Banklizenz zu erwerben. Diese erhielt das Unternehmen ebenfalls im Jahr 2006. Zu diesem Zeitpunkt war die Tochterfirma Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sowie dessen Einlagensicherungsfonds.

Die Wirecard Bank ist durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) übrigens geschützt. Dieser Schutz der gesetzlichen Einlagensicherung beträgt pro Einleger und Kreditinstitut bis zu 100.000 Euro, wie die EdB auf der Webseite mitteilt. Die Finanzaufsicht BaFin hat die Bundesbank als Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt, damit von dort keine Gelder an die Wirecard AG abfließen. Doch – nicht weiter überraschend – ziehen sich die ersten Kunden – darunter Aldi Süd – schon zurück und wandern zum Konkurrenten Payone ab.

Die Wirecard-Aktie im freien Fall

Die Wirecard-Aktie galt lange Zeit als Überflieger und sinnvolle Investition – obwohl sie zwischenzeitlich immer mal wieder krassen Kursschwankungen ausgesetzt war. Die Kursentwicklung wurde über die Jahre unter anderem von verschiedenen Medien- und Insiderberichten ausgelöst. Nachdem der Bilanzskandal um 1,9 Milliarden Euro, die spurlos verschwunden sind, bekannt wurde und die Wirecard AG Insolvenz anmelden musste, verlor das Unternehmen bis Juli 2020 10,67 Milliarden Euro Börsenwert in der Spitze, so eine Analyse des Online-Portals Kryptoszene.

Zudem gab die Deutsche Börse Mitte August 2020 bekannt, dass Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) den DAX noch im August verlassen wird. Zuvor hatte die Deutsche Börse eine Überarbeitung des dafür notwendigen Regelwerks für den Aktienindex DAX 30 angekündigt.

Wirecard: Wie konnte es zur Insolvenz kommen?

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) hatten Wirecard 2020 das Testat für den Jahresabschluss 2019 verweigert, weil Belege über 1,9 Milliarden Euro auf einem Treuhandkonto fehlten. Ein Insolvenzverfahren hat Wirecard am 25. Juni 2020 beantragt. Als Gründe wurden drohende Zahlungsunfähigkeit sowie Überschuldung genannt. Unter anderem liegen derzeit drei Haftbefehle der Staatsanwaltschaft München I gegen die ehemaligen Führungskräfte vor. Ihnen wird vorgeworfen, systematisch Bilanzen gefälscht zu haben, zudem wird wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrug und Marktmanipulation in mehreren Fällen ermittelt.

Auch interessant

Kommentare