Wirecard-Zentrale in Aschheim: Düstere Aussichten
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Wirecard-Zentrale in Aschheim: Düstere Aussichten

Insolventer Zahlungsdienstleister

Wirecard vor Job-Kahlschlag: Mehr als Tausend Jobs auf der Kippe - Wettbieten der Investoren

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard wird es jetzt ernst. In den nächsten Wochen wird das Unternehmen zerlegt, die allermeisten Stellen fallen dann wohl weg.

  • Den verbliebenen Wirecard-Mitarbeitern stehen harte Zeiten bevor.
  • In den nächsten Wochen beginnt der Ausverkauf.
  • Bis zu drei Viertel aller Jobs in Deutschland stehen auf der Kippe.

München - Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard* steht vor einem radikalen Job-Kahlschlag. „Am Ende könnten womöglich nur noch 300 bis 400 Stellen in Deutschland übrigbleiben“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Donnerstag gegenüber Merkur.de*. Zuletzt hatte das Unternehmen aus Aschheim bei München deutschlandweit insgesamt noch 1600 Mitarbeiter beschäftigt. Damit könnten bis zu drei Viertel aller Jobs gestrichen werden.

Wie viele Stellen* im Rahmen des Insolvenzverfahrens tatsächlich wegfallen, hänge aber „vor allem von den Plänen möglicher Investoren ab“, heißt es. Nach Informationen von Merkur.de* gehören die Zahlungsdienstleister Paypal und Heidelpay sowie die spanische Bank Santander und die Deutsche Bank zu den Bietern.

Die Deutsche Bank hatte Anfang Juli auch öffentlich ihr Interesse an der Wirecard Bank bekundet.  Man könne sich „grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten“ finanzielle Hilfe zu gewähren, hatte die größte deutsche Bank via Pressemitteilung verbreitet. Die Überlegungen zielen offenbar auf einen Überbrückungskredit sowie einen späteren Einstieg bei der von der Insolvenz nicht betroffenen Wirecard Bank AG.

Wirecard: Die Deutsche Bank will Teile des Unternehmens schlucken

Nach Informationen von Merkur.de ist die Deutsche Bank aber auch an anderen Unternehmensteilen interessiert. Dabei soll es vor allem um Know-how im Bereich Payment gehen, heißt es.

Paypal habe dagegen vor allem das Geschäft mit Einzelhändlern im Visier. Hier habe der US-Riese in Deutschland noch „erheblichen Nachholbedarf“, heißt es.

Wirecard: Bieter mit dicken Taschen

Auch der deutsche Zahlungsdienstleister Heidelpay habe seinen Hut in den Ring geworfen. Heidelpay-Chef Mirko Hüllemann hatte bereits Ende Januar weitere Übernahmen angekündigt. Man könne Zukäufe im Volumen von bis zu 500 Millionen Euro stemmen, hatte Hüllemann damals der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Haupteigentümer bei dem Bezahldienstleister ist der Finanzinvestor KKR. Laut Financial Times soll der Milliarden-schwere US-Konzern bei seinem Einstieg im vergangenen August rund 600 Millionen Euro für seinen Anteil von knapp 70 Prozent hingeblättert haben und sucht weiter nach Verstärkung. Das Wirecard-Kerngeschäft um Zahlungsabwicklungen samt der in der Branche händeringend gesuchten Entwicklung böten hier eine „hoch-interessante Gelegenheit“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber Merkur.de.

Wirecard: Jetzt kann alles ganz schnell gehen

Wer im Wirecard-Wettbieten am Ende tatsächlich das Rennen macht, könnte sich bereits in wenigen Wochen zeigen. Voraussichtlich Ende August oder Anfang September dürfte das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren eröffnen, heißt es aus der Branche (Merkur.de berichtete). Als Insolvenzverwalter werde die Wahl wohl auf den vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé fallen. Sobald das ordentliche Insolvenzverfahren eröffnet ist, kann der Insolvenzverwalter rechtsverbindliche Verträge schließen, auch für den Verkauf von Teilbereichen von Wirecard.

Die Verhandlungen zum Verkauf der US-Tochter Wirecard North America Inc. sowie der brasilianischen Landesgesellschaft jedenfalls sind offenbar bereits sehr weit fortgeschritten. Womöglich, heißt es aus Aschheim, könnten die ausländischen Landesgesellschaften als erstes über die Ladentheke gehen. Das in Deutschland beheimatete Kerngeschäft wäre dann eben kurz darauf fällig. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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