Vor der Abberufung: Wirecard-Finanzvorstand Alexander von Knoop (li.) mit dem inzwischen inhaftierten Chef des Zahlungsdienstleisters Markus Braun.
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Vor der Abberufung: Wirecard-Finanzvorstand Alexander von Knoop (li.) mit dem inzwischen inhaftierten Chef des Zahlungsdienstleisters Markus Braun.

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Wirecard-Restvorstand „vor Abberufung“: Top-Manager trotz Insolvenz noch im Büro - das dürfte bald ein Ende haben

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Bei Wirecard kommen zwei Vorstände trotz Insolvenz noch immer ins Büro. Doch das dürfte schon bald vorbei sein. Beide stehen unmittelbar vor dem Rauswurf.

  • Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard sind noch zwei von einst vier Vorständen im Amt.
  • Das sorgt bei vielen Beobachtern für Verwirrung.
  • Aber nun neigt sich auch die Zeit für die letzten verbliebenen Top-Manager ihrem Ende.

München - Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard* stehen „auch die beiden noch verbliebenen Vorstände vor der Abberufung“. Das sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Montag gegenüber Merkur.de*. Sobald das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet sei, sei mit einem solchen Schritt zu rechnen, heißt es. Beobachter rechnen damit, dass das Amtsgericht München bereits in wenigen Tagen den Weg für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens frei macht.

Vom vierköpfigen Vorstand des insolventen Zahlungsdienstleisters sind nur noch Finanzchef Alexander von Knoop und die für Produkte zuständige Vorständin Susanne Steidl im Amt. Der langjährige Wirecard-Chef Markus Braun ist inzwischen wieder in Haft. Nach dem für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstand Jan Marsalek wird inzwischen mit einem internationalen Haftbefehlt gefahndet.*

Wirecard: Finanzvorstand hat nichts mehr zu sagen

Von Knoop und Steidl kämen weiterhin zur Arbeit, hätten aber keine Zeichnungsbefugnis mehr, heißt es aus der Wirecard-Zentrale in Aschheim. Dies gelte insbesondere in finanziellen Fragen. Die entsprechenden Befugnisse habe der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé dem Finanzvorstand bereits unmittelbar nach Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens entzogen.

Rein rechtlich gesehen können Vorstände ihre Posten nicht einfach niederlegen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, von ihrem früheren Arbeitgeber auf Schadenersatz verklagt zu werden.

Nun stehen von Knoop und Steidl vor dem Rauswurf. Möglicherweise, heißt es aus Aschheim, komme auf beide aber auch ohne Rücktritt eine Klage auf Schadenersatz zu. Entsprechende Ansprüche müssten geprüft werden, heißt es.

Wirecard: Der Aufsichtsrat hat die Vorstände nicht abberufen - die Gründe sind unklar

Der Wirecard-Aufsichtsrat hat auf eine Abberufung der beiden verbliebenen Vorstände trotz der milliarden-schweren Pleite verzichtet. Die Gründe sind bislang unklar. Branchenkreisen zufolge habe sich Jaffé vom Finanzchef jedoch Hilfe bei der Entwirrung der verschachtelten Wirecard-Beteiligungen erhofft. Jaffé wollte sich zu entsprechenden Fragen nicht äußern. Das Unternehmen steht inzwischen vor der Zerschlagung,* über 1000 Stellen* stehen auf dem Spiel.

Einem Bericht des Handelsblatts zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft München seit Juli auch gegen von Knoop und Steidl wegen des Verdachts der Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Betrug sowie inzwischen auch wegen mutmaßlicher Untreue.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet, nachdem sich 1,9 Milliarden Euro als Luftbuchung erwiesen hatten. Nach ersten Schätzungen der Staatsanwaltschaft liegt der Schaden bei 3,2 Milliarden Euro. Dazu kommen milliarden-schwere Verluste bei Anlegern. Die Pleite des Zahlungsdienstleisters gilt inzwischen als größter Bilanzskandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Deutsche Börse hatte wegen Wirecard ihre Regeln für die Dax-Mitgliedschaft geändert. Am Freitag flog die Wirecard-Aktie* aus dem wichtigsten deutschen Börsenindex. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digitalnetzwerks.

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