Ex-Wirecard-Chef Braun
+
Markus Braun, ehemaliger Vorstandsvorsitzender bei Wirecard, wird im RTL-Film von Christoph-Maria Herbst gespielt. (Archivbild)

TV-Sender vor Mega-Ärger

Wirecard: Gericht wollte Doku-Drama stoppen – nur kurz vor der Ausstrahlung - RTL zeigte Film trotzdem

Das Oberlandesgericht München hat RTL die Ausstrahlung des Wirecard-Films „Der große Fake“ eigentlich untersagt. Doch das Doku-Drama lief am Donnerstag trotzdem. Jetzt droht dem Sender mächtig Ärger.

München - Die Milliarden-Pleite von Wirecard gilt als einer der größten Skandale Deutschlands. Die Geschichte hat alle Zutaten für einen guten Thriller: Dem Höhenflug als Liebling der Finanzmärkte folgte der Sturz ins Bodenlose. Bilanzfälschungen, Betrug und zahlreiche überraschende Wendungen liefern den perfekte Plot. Dazu die spektakuläre Flucht des Jan Marsalek, das Fehlen von 1,9 Milliarden Euro und viele unaufgeklärte Fragen.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Wirecard-Skandal für Film und Fernsehen adaptierte. Bis nach Hollywood schaffte es die Geschichte noch nicht, doch RTL arbeitete den Wirecard-Fall nun als Doku-Thriller in „Der große Fake - Die Wirecard-Story“ auf. Christoph Maria-Herbst (bekannt aus Stromberg) spielt Markus Braun, Franz Hartwig mimt Jan Marsalek. Der Film feierte am Donnerstag (22. April) Fernseh-Premiere. Das Oberlandesgericht (OLG) München hatte das allerdings untersagt, wie FAZ berichtete.

Wirecard-Film: Kurzfristige Entscheidung kurz vor Sendebeginn

Es waren nur noch wenige Stunden bis zum Beginn der Ausstrahlung, als im OLG München die Entscheidung fiel: Die Richter erließen eine einstweilige Verfügung, der Thriller dürfe nicht gezeigt werden. Der Grund: Über den Kronzeugen Oliver B. werde im Doku-Drama „identifizierend berichtet“. Zudem werde er in Zusammenhang mit strafrechtlich relevanten Vorwürfen gestellt. Konkret gehe es um die Äußerung des Verdachts, dass „über Wirecard auch Kinderpornografie und Terrorismus mitfinanziert worden seien.“ Der Film stelle es so dar, als habe der Kronzeuge Oliver B. dabei eine Rolle gespielt, dies komme einer Vorverurteilung gleich.

Die Entscheidung betraf nicht den gesamten Film, sondern lediglich zwei Minuten, wie RTL auf Anfrage der FAZ mitteilte. Der Fernsehsender teilt die Einschätzung des Gerichtes nicht. Eine Vorverurteilung sei nicht zu erkennen. Zudem werde „an keiner Stelle der Verdacht geäußert, dass der Antragsteller in strafrechtlich relevanter Weise eine maßgebliche Rolle gespielt haben soll“, so die RTL-Sprecherin weiter. Der Sender entschied sich daher für die Ausstrahlung im Free-TV. Bereits ab dem 31. März konnten Zuschauer den Film exklusiv auf dem RTL-Portal TV Now streamen.

Wirecard-Film: Kronzeuge will Ordnungsgeld

Laut OLG-Urteil (Az.: 18 W 638/21) droht dem Sender nun ein Ordnungsgeld oder ersatzweise Ordnungshaft der Geschäftsführung. Allerdings basierte die Darstellung auf Recherchen von zahlreichen Journalisten, darunter von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Capital und dem Stern.

Der Anwalt des Kronzeugen Oliver B. teilte gegenüber FAZ mit, dass sein Mandant nun das Ordnungsgeld beantragen werde. Wie es weitergeht, wird also erneut ein Gericht klären müssen. Für RTL könnte es teuer werden. Eine bessere Werbung für den Thriller hätte sich der Sender aber wohl kaum wünschen können.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare