Ein Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek, Ex-Vertriebsvorstands des Dax-Konzerns Wirecard, ist im Stadtteil Horn auf einer Leuchtreklame angezeigt.
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Jan Marsalek gilt im Wirecard-Skandal als Schlüsselfigur.

Schlüsselrolle im Wirecard-Skandal

Jan Marsalek: Der Wirecard-Vorstand spielte beim Zahlungsdienstleister eine zentrale Rolle

Die Geschichte um Jan Marsalek, ehemaliger COO der Wirecard AG, liest sich wie ein Krimi: Nach dem Bilanz-Skandal befindet sich der Ex-Vorstand auf der Flucht.

  • Jan Marsalek war COO und Vorstand der Wirecard AG. Seitdem bekannt wurde, dass das Unternehmen Marktmanipulation betrieb, befindet er sich auf der Flucht.
  • Gegen Jan Marsalek besteht ein internationaler Haftbefehl. Ihm wird im Wirecard-Skandal eine zentrale Rolle zugeschrieben.
  • Das Vorstandgehalt des Vorstandmitglieds betrug zuletzt 2,7 Millionen Euro. Das Vermögen von Jan Marsalek wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

München / Aschheim – Jan Marsalek war der ehemalige Chief Operating Officer (COO) und Vorstand fürs Tagesgeschäft bei Wirecard. Heute ist er auf der Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden, gegen ihn liegt wegen des Verdachts auf Bilanzbetrug ein internationaler Haftbefehl vor. Dabei wird dem flüchtigen Jan Marsalek eine Schlüsselrolle im Bilanzskandals rund um den Finanzdienstleister vorgeworfen, der immer größer werdende Kreise auf nationaler und internationaler Ebene zieht.

Während sich der Ex-Vorstandsvorsitzende der Wirecard AG, Markus Braun, den Behörden stellte, verschwand Jan Marsalek nach seiner Suspendierung. Zuvor hatte er seinen Kollegen mitgeteilt, auf die Philippinen reisen zu wollen, um eben jene 1,9 Milliarden Euro ausfindig zu machen, die zwar in der Firmenbilanz angegeben wurden, die es aber anscheinend nie gegeben hat.

Jan Marsalek: Sein Vermögen hilft ihm bei der Flucht

Jan Marsalek hat als Vorstand bei Wirecard zuletzt 2,7 Millionen Euro verdient – pro Jahr. Gleichzeitig soll der Ex-Vorstand beständig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben: Insgesamt wird sein Vermögen auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Neben dem Geld sind es auch seine weitreichenden Kontakte, die – so die Mutmaßung von Bekannten und ehemaligen Kollegen – dem 40-Jährigen heute auf der Flucht äußerst hilfreich sein könnten. Zwar deuteten alle Spuren zunächst auf die Philippinen – genauer gesagt auf die Hauptstadt Malina - doch die entsprechenden Unterlagen der Einreisebehörde erwiesen sich schnell als gefälscht.

Zwischenzeitlich waren die philippinischen Behörden davon ausgegangen, Marsalek sei mit seiner „Ehefrau“ – einer philippinischen Staatsbürgerin ins Land eingereist. Doch der Ex-Vorstand von Wirecard ist ledig. Seine langjährige Freundin lebt verschiedenen Medienberichten zufolge in München, mehr ist über sie nicht bekannt.

Jan Marsalek steht in Verbindung mit dubiosen Deals

Seit Jan Marsalek bei Wirecard in den Vorstand aufrückte, war er zuständig für die internationale Expansion des Finanzdienstleisters – mit Fokus auf den asiatischen Markt. Dabei steht sein Name in Verbindung mit äußerst fragwürdigen Deals, deren Hintergründe bis heute nicht geklärt sind. So war Marsalek beispielsweise maßgeblich an der Übernahme einer indischen Firmengruppe verantwortlich, für die Wirecard mehr als 300 Millionen Euro springen ließ. Der Zukauf erfolgte über einen mysteriösen Fond aus Mauritius, der als Mittelsmann diente.

Besagter Fonds hatte den wesentlichen Teil der Firmengruppe kurz vor dem Deal mit Wirecard aber für lediglich rund 40 Millionen Euro gekauft. Zudem berichtete die „Financial Times“ 2019 darüber, dass der ehemalige Vorstand von Wirecard auch von fragwürdigen Transaktionen gewusst haben soll, welche die Asien-Zentrale des Unternehmens in Singapur überhaupt in das Visier der lokalen Ermittler gebracht hatten.

Hat Jan Marsalek Geheimdienstkontakte?

Wie das „Handelsblatt“ berichtete, hat sich Jan Marsalek offenbar nach Russland abgesetzt. „Der Manager soll auf einem Anwesen westlich von Moskau unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes GRU untergebracht sein“, zitiert die Zeitung aus „Unternehmer-, Justiz- und Diplomatenkreisen“. Gerüchte, Marsalek hätte Geheimdienstkontakte, heizte der ehemalige Vorstand in Chats immer wieder neu an. So prahlte er in einem privaten Chat, aus dem das „Handelsblatt“ zitierte, etwa mit „Kontakten zum US-Geheimdienst CIA, zum Mossad und anderen Nachrichtendiensten.“ Zudem hätte Marsalek nach Berichten der „Financial Times“ im Jahr 2018 Börsenhändlern als streng geheim eingestufte Unterlagen vorgezeigt. Ein Dokument soll dabei die genaue chemische Formel für das Nervengift Novichok enthalten haben, mit dem im gleichen Jahr ein Anschlag auf den russischen Ex-Spion Sergei Skripal in Großbritannien verübt wurde.

Hildegard Bäumler-Hösl ermittelt gegen Jan Marsalek

Als Oberstaatsanwältin leitet Hildegard Bäumler-Hösl das Verfahren gegen die Wirecard AG und den in diesem Zusammenhang meistgesuchten Mann: Jan Marsalek. Die 57-Jährige ist verantwortlich für die Hauptabteilung III, die auf komplizierte Wirtschaftsverfahren spezialisiert ist.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft München I gegen Jan Marsalek

  • Systematische Bilanzfälschungen
  • Gewerbsmäßiger Bandenbetrug
  • Marktmanipulation

Seit Anfang Juni 2020 ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen mehrere Köpfe des Finanzdienstleisters. In dem laufenden Verfahren geht die Staatsanwaltschaft unter Leitung von Bäumler-Hösl dem Verdacht nach, dass Vorstände des DAX-Konzerns im Rahmen der Sonderbilanzprüfung durch KPMG falsche oder zumindest irreführende Angaben gemacht und dadurch den Börsenkurs manipuliert haben. 

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