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Wirtschaft befürchtet "drastische Schäden" durch Bahnstreik

Berlin/Hamburg - Die deutsche Wirtschaft befürchtet durch im Falle von Streiks im Güterverkehr der Bahn "drastische Schäden". Neben dem direkten wirtschaftlichen Schaden würde auch die Umwelt durch Rückverlagerungen von Transporten auf die Straße stärker geschädigt werden, hieß es beim Verband der Bahnindustrie (VDB) in Berlin.

Hinzu käme der nur schwer bezifferbare ideelle Schaden, den der Verkehrsträger Schiene hinnehmen müsste. "Die Schiene würde Vertrauen als zuverlässiger Lieferant einbüßen, bei Unternehmen ebenso wie bei Fahrgästen, sollte neben dem Güterverkehr auch wieder der Personenverkehr auf der Schiene ausfallen", sagte VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird Streik im Güterverkehr ab einer Dauer von drei Tagen volkswirtschaftlich bedenklich. DIW-Abteilungsleiterin Claudia Kemfert sagte der "Frankfurter Rundschau" (Freitag), man rechne dann mit einem Schaden in Höhe von 50 Millionen Euro pro Tag.

Betroffen seien vor allem der Fahrzeugbau, die Stahlindustrie und der Transport fossiler Brennstoffe. Ab einer Streikdauer von sieben bis zehn Tagen vervielfache sich der Schaden auf bis zu 500 Millionen Euro täglich und sei "volkswirtschaftlich nicht mehr zu verkraften."

"Wenn die sehr empfindlichen Stellen, wie zum Beispiel die Häfen in Hamburg oder Bremerhaven, bestreikt werden, kann es sehr schnell zu Chaos kommen", fügte Kemfert im Nachrichtensender n-tv hinzu.

Hamburg und die bremischen Häfen setzten wie keine anderen in Europa auf die Schiene, erklärte Detthold Aden, der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Rund ein Drittel des Güterumschlags werde über die Bahn abtransportiert; bei Containertransporten über größere Entfernungen seien es sogar 70 Prozent. Die Bahntransporte könnten nicht kurzfristig durch Lkw oder Binnenschiffe ersetzt werden. Nach zwei bis drei Tagen wären die Häfen dicht.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl hatte bereits am Mittwoch vor Produktionsverlusten bei einem längeren Streik im Güterverkehr gewarnt. Die Stahlindustrie in Deutschland sei der größte Kunde der Bahn, sagte eine Sprecherin des Branchenverbandes. Etwa die Hälfte der Kohle, Erz, Stahl oder Schrott Transporte - rund 80 Millionen Tonnen im Jahr - werde mit der Bahn befördert. Schiffe und LKW könnten Kohle und Erze nicht in den benötigten Mengen liefern. Es sei aber von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, ab wie vielen Streiktagen es zu Problemen komme.

Das größte deutsche Stahlunternehmen ThyssenKrupp Steel sieht sich sich für den möglichen Streik der Lokführer im Güterverkehr gerüstet. "Wir haben uns mit der Bahn auf Prioritäten geeinigt - wir werden so von der Bahn bedient, dass wir zumindest die großen Kunden beliefern können", sagte Sprecher Erwin Schneider. Eine Sprecherin der Bahn sagte, im Fall eines Streiks werde eine Absprache über vorrangige Züge mit allen Kunden im Güterverkehr getroffen.

Nach Einschätzung des Autobauers BMW lassen sich die Auswirkungen eines möglichen Streiks im Güterverkehr bisher schwer abschätzen. Beim bayerischen Autobauer wird der Abtransport fertiger Fahrzeuge gut zur Hälfte über die Schiene abgewickelt. Allerdings bleibe abzuwarten, ob und in welchem Umfang es zu Arbeitsniederlegungen komme, sagte ein Unternehmenssprecher. VW bereite sich seit längerem auf mögliche Streiks vor, teilweise sei eine Verlagerung der Transporte auf andere Verkehrswege möglich, sagte ein Sprecher. Die Höhe möglicher Schäden hänge von der Dauer der Aktionen ab. Für punktuelle Streiks seien Vorkehrungen getroffen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und termingerecht zu liefern.

Auch bei Daimler hält man sich in Prognosen über Auswirkungen von Bahnstreiks zurück. Eine interne Task Force beobachte die Lage, hieß es. Betroffen könnten vor allem die Bahntransporte zum Hafen in Bremerhaven sein. Porsche verwies vor allem auf die Lieferung von Cayenne-Karosserien aus Bratislava nach Leipzig. Hier sei man angreifbar. Sollte diese Strecke bestreikt werden, könnten in Leipzig bald die Bänder stillstehen.

Ford sieht einem möglichen Streik gelassen entgegen. Das Unternehmen sei kaum betroffen, sagte ein Sprecher. Etwa die Hälfte der bei Ford gefertigten Autos würden auf dem Rhein transportiert. Ebenso erreichten die meisten Teile über die Rheinschifffahrt oder mit dem Lkw die Kölner Werke. Bei Bayer in Leverkusen hier es: "Wir sehen uns nicht in der ersten Reihe der Betroffenen, weil wir auch einen eigenen Güterverkehr haben." (dpa)

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