Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Essen - Die deutsche Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hob seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,9 Prozent an.

Im März war es noch von einem Plus von 1,4 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr rechnen die Experten mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Motor des Aufschwungs dürfte nach Einschätzung des RWI in diesem Jahr weiterhin der Export sein, der von einem unerwartet kräftigen Wachstum des Welthandels und der Abwertung des Euro profitiert. Von der Binnennachfrage würden hingegen nur geringe Impulse ausgehen, hieß es. Grund seien nur verhaltene Einkommenssteigerungen und ein leichtes Anziehen der Teuerungsrate, was die privaten Konsumausgaben bremsen dürfte. Auch beim Staatskonsum, der im vergangenen Jahr aufgrund der Konjunkturprogramme deutlich zulegte, wird für dieses Jahr nur ein leichtes Plus erwartet.

Für das kommende Jahr geht das RWI von nachlassenden Antriebskräften aus. Zum einen befürchteten einige Schwellenländer schon jetzt eine Überhitzung der Wirtschaft, so dass die Geld- und Finanzpolitik dort auf einen restriktiven Kurs einschwenken dürfte. Zum anderen zwinge die hohe Verschuldung auch die Industrieländer zu einem härteren Kurs in der Finanzpolitik. Vor diesem Hintergrund dürfte der Exportboom im kommenden Jahr an Schwung verlieren. Beim privaten Konsum hingegen rechnen die Experten mit einem leichten Plus.

Wirtschaftsforscher mahnen Sparkurs an

Die Lage der öffentlichen Haushalte sehen die die Wirtschaftsforscher besorgt. Weil die Steuereinnahmen in diesem Jahr voraussichtlich weiter sinken und die Staatsausgaben wegen der Konjunkturprogramme steigen dürften, werde sich die Lage verschlechtern. Die Experten mahnten daher, das geplante Sparprogramm der Bundesregierung müsse zeitnah umgesetzt werden. Es sei nicht zu erwarten, dass die Sparbemühungen einen neuerlichen Abschwung auslösen würden. Gute Nachrichten hat das Wirtschaftsinstitut für den Arbeitsmarkt. Die Lage dort dürfte sich verbessern, hieß es. Zwar würden vermutlich kaum neue Arbeitsplätze geschaffen. Weil die Zahl der Erwerbsfähigen aber aufgrund des demografischen Wandels sinke, dürfte auch die Arbeitslosenquote im kommenden Jahr durchschnittlich von 7,8 auf 7,4 Prozent zurückgehen. Auch die Inflation sehen die Forscher nicht als Gefahr. Mit 1,1 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr werde die Teuerungsrate voraussichtlich moderat bleiben.

dapd

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