Wirtschaft fehlen die Abwehrkräfte

- Berlin - Das mangelnde Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands trübt weiter das Wachstumsklima. "Das Verharren in dieser Stagnation ist gefährlicher als das Abrutschen in eine Rezession", so Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Er rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,75 Prozent, früher waren 1,0 bis 1,5 Prozent genannt worden. Auch 2006 sieht es mit 1,0 Prozent nicht besser aus.

<P class=MsoNormal>Weitere Reformen ließen auf sich warten, kritisierte Hüther. Auch die wahltaktisch und ideologisch geprägte Kapitalismus-Debatte verhindere einen Stimmungsumschwung: "Das ist misslich in dieser Zeit." Er halte das von SPD-Chef Franz Müntefering vorgetragene Staatsverständnis für irrig. Heilig sei nicht der Staat, sondern die Freiheit des Individuums. Laut Hüther fehlen Impulse, die die Binnennachfrage stärken könnten vor allem bei den Investitionen. Zwar sei die Investitionsneigung der Firmen besser als noch vor einem Jahr. Doch während 28 Prozent der befragten Unternehmer mehr als im Vorjahr investieren wollen, kündigten 27 Prozent an, ihre Budgets zu kürzen.</P><P class=MsoNormal>Auch im Bausektor ist abermals ein Rückgang zu erwarten: 2,5 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent im kommenden. Zudem haben sich die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Dafür gebe es drei Gründe: Die Ölpreise blieben hoch, der Außenhandel hat im zweiten Halbjahr 2004 an Schwung verloren und die Inlandsnachfrage hat noch keine nennenswerte Breitenwirkung erreicht.</P><P class=MsoNormal>Hüther verglich die Wirtschaft mit einem Grippekranken, der - nicht auskuriert - sofort wieder krank werde. Mit Hinblick auf Müntefering meinte er: "Wir haben keine Abwehrkräfte mehr gegen solche Verunsicherungen."</P>

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