Wirtschaft hofft auf Belebung

- München - Die deutsche Wirtschaft hofft nach einem überraschenden Stimmungsaufschwung auf eine Konjunkturbelebung noch in diesem Herbst. Der Geschäftsklimaindex sei von 94,6 Punkten im Vormonat auf 96,0 Punkte im September gestiegen, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München mit. "Vor allem die Lage-Einschätzungen haben sich deutlich verbessert, das zeigt, dass man von einer Belebung im Herbst ausgehen kann", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger der dpa am Dienstag in München.

Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft und wird monatlich aus einer Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt. Experten hatten nach dem ungewissen Ausgang der Bundestagswahl mit einem erneuten Rückgang gerechnet. "Eine Auswertung von Meldungen vor und nach der Bundestagswahl zeigte, dass die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten nach der Wahl tendenziell ungünstiger bewerteten als vorher", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Nach Angaben Abbergers waren aber rund 80 Prozent der Antworten bereits vor der Wahl bei dem Institut eingegangen und nur die übrigen 20 Prozent danach.

Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten die Unternehmen deutlich besser ein als noch im August. Nahezu unverändert beurteilten sie ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate. Entsprechend kletterte der Lage-Index von 93,8 auf 96,4 Punkte. Der ErwartungsIndex, der die Geschäftsaussichten widerspiegelt, verbesserte sich nur leicht von 95,4 auf 95,5 Punkte.

In der Industrie fielen die Urteile zur aktuellen Situation deutlich besser als im Vormonat aus. Für die Zukunft waren die Unternehmen aber trotz unverändert positiver Einschätzungen zu den Exportchancen weniger optimistisch. Insgesamt hellte sich das Geschäftsklima in der Industrie ebenso auf wie im Einzel- und im Großhandel. Lediglich in der krisengeplagten Bauwirtschaft blieb die Stimmung unverändert. In Ostdeutschland fiel der Klima-Aufwärtstrend etwas ausgeprägter aus als in Gesamtdeutschland.

Konjunkturexperte Abberger sieht durch diese Entwicklung die ifoWachstumsprognose für Deutschland von 0,8 Prozent in diesem Jahr bestätigt. Die hohen Ölpreise hätten auch bei der jüngsten Umfrage kaum eine Rolle gespielt, sie seien aber ein Risiko, vor allem für das kommende Jahr. So könnte der Ölpreis für Verunsicherung bei den Verbrauchern sorgen und den ohnehin schwachen Konsum zusätzlich drücken. "Man kann nicht sagen, dass beim Konsum kräftige Impulse in Sicht sind." Auch für den Arbeitsmarkt erwartet Abberger frühestens zum Jahresende eine leichte Entspannung.

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