Wirtschaft kritisiert Arbeitsagenturen: Lehrstellen-Mangel nur Panikmache?

- Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Bayern ist angespannt. Das geht aus der Halbjahresbilanz zum Ausbildungsstellenmarkt hervor, die Arbeitsstaatssekretär Jürgen W. Heike (CSU) am Mittwoch in München vorgestellt hat. Während die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit bis Ende Juni dieses Jahres mit 96 000 Bewerbern über 4000 mehr als im Vorjahresmonat zu verzeichnen hatte, ging die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im selben Zeitraum um mehr als 1000 Stellen auf knapp 65 000 zurück.

Diese Schere in den kommenden Monaten zu schließen, sei nun eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte Heike. Industrie und Handwerk warnten gestern jedoch vor Panikmache. Die Zahlen der Arbeitsagenturen seien eine "Momentaufnahme" und "nicht aussagekräftig", sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages in Bayern, Reinhard Dörfler. Laut einer IHK-Studie würde die Hälfte der Betriebe bei der Lehrlingssuche gänzlich auf die Arbeitsagentur verzichten. Dörfler: "Deren Zahlen sind darum wertlos."

Dörfler betonte, dass die Unternehmen im IHK-Regionalbereich München und Oberbayern bis Ende Juni 2,1 Prozent mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen hätten. Nahezu die Hälfte aller Ausbildungsverhältnisse sei ohne Vermittlung der Arbeitsagenturen zu Stande gekommen.

Auch das bayerische Handwerk verzeichnete bei den Ausbildungsverträgen ein Plus von 1,6 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstages, Bernd Lenze, äußerte die Hoffnung, dass die Vorgabe von 30 000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk bis Jahresende erreicht werden könne. Lenze kritisierte aber, dass viele Bewerber zu schlecht qualifiziert und oft unmotiviert seien.

Arbeitsstaatssekretär Heike: "Unser Ziel ist, jedem ausbildungsfähigen und -willigem Jugendlichen in Bayern einen betrieblichen Ausbildungsplatz oder ein Qualifizierungsangebot zur Verfügung zu stellen." Ein Baustein dafür soll die Kampagne "Fit for work - 2006" sein.

19 Millionen Euro für Kampagne "Fit for work"

Gemeinsam wollen die Organisationen der bayerischen Wirtschaft, die Arbeitsverwaltung und die Staatsregierung Anreize für zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. Der Freistaat stellt 19 Millionen Euro für das Programm zur Verfügung. Dabei werden unter anderem Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten, einmalig mit 2000 Euro gefördert.

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