Wirtschaft rüffelt schlechte Lehrlinge

- München - Angehende Lehrlinge kämpfen offenbar mehr mit Wissenslücken als mit dem Stellenmangel. Obwohl die Lage auf dem Ausbildungsmarkt immer enger wird, sinkt das Qualifikationsniveau, beklagt der Bayerische Industrie- und Handelskammertag. "Die Kenntnise und sozialen Fähigkeiten der Bewerber haben sich massiv verschlechtert", klagte IHK-Geschäftsführer Reinhard Dörfler in München.

<P>In Deutschland verlassen pro Jahr 90 000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Laut einer IHK-Umfrage in Bayern sind die Lehrlings-Kenntnisse in Mathe und Deutsch rapide gesunken, ebenso Verantwortungsbewusstsein und Leistungswille. "Es kann nicht Bankkaufmann werden, wer nicht rechnen gelernt hat", rügt Dörfler. Die Eltern müssten sich mehr um ihre Kinder kümmern.<BR><BR>Die Berufe seien anspruchsvoller geworden, sagt Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens. Die Eltern müssten nun stärker hinter der Ausbildung stehen, Blaumachen und Unpünktlichkeit verhindern: "Wir müssen mehr Disziplin und mehr Fleiß von den Jugendlichen einfordern."<BR><BR>Stewens und Dörfler fordern "theorieentlastete Berufe", um praktisch orientierten Jugendlichen eine Chance zu geben. Den Strauß mit den Gewerkschaften, die neue Niedriglohnjobs fürchten, will Stewens austragen: "Wir stehen vor der Alternative: Niedriglohn oder Langzeitarbeitslosigkeit."<BR><BR>Selbst normal qualifizierte Lehrlinge tun sich hart, an Stellen zu kommen. Bayernweit kommen 100 unvermittelte Bewerber auf 57 offene Stellen. Bis September hofft Stewens, alle Jugendlichen unterzubringen - derzeit fehlen 14 000 Stellen. Wer Mehrfachbewerbungen abgegeben habe, solle sich sofort melden, wenn er einen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe.<BR>Eine Lehrstellenkatastrophe gebe es trotz der angespannten Lage nicht, befand Dörfler. </P><P>Die Kammern halten an der Forderung fest, die Lehrlingsgehälter zu kürzen, um die ausbildenden Firmen zu entlasten. Die Berufschulzeit solle nicht mehr bezahlt werden, schlägt Dörfler vor. Die IG Metall läuft dagegen an: Damit wolle die Wirtschaft "nur vom Versagen der Verbände, Kammern und Betriebe bei der Berufsausbildung ablenken", hieß es.<BR></P>

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