Wirtschaft sieht Neuwahlen als Chance

- Hamburg - Die deutsche Wirtschaft sieht Neuwahlen als Chance für tief greifende Reformen in Deutschland. Eine neue Regierung könne mit Mut, Kraft und Tempo die Bedingungen für mehr Wertschöpfung und Wachstum schaffen, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann am Freitag. Am Tag nach der Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler, den Bundestag aufzulösen, blieben starke Reaktionen der Börse aus.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht eine Auflösung des Bundestages und eine Neuwahl am 18. September als Signal für Bürger und Wirtschaft. "Die Chance auf einen ReformAufbruch ist damit näher gerückt", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun in Berlin. Die Unternehmen richteten ihre Hoffnungen jetzt auf schnelle und mutige Entscheidungen nach einer Neuwahl. Handlungsbedarf gebe es vor allem bei den Unternehmenssteuern, dem Arbeits- und Tarifrecht sowie der sozialen Sicherung.Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte die Neuwahl eine "Chance für Aufbruch und Wachstum". Eine neue Regierung könne "mit Mut, Kraft und Tempo" die Bedingungen dafür schaffen, dass mehr Wertschöpfung und Wachstum entstehen. "Nur so werden wir auch die Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen", sagte Präsident Thumann. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) forderte, Wachstum und Beschäftigung müssten im Mittelpunkt des Wahlkampfes stehen. "Weiter so geht nicht", sagte Präsident Otto Kentzler. Nötig sei unter anderem die Senkung von Steuern und Abgaben.Aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) brauchen Bürger und Betriebe Planungssicherheit. "Gefordert ist ein klarer Kurs für mehr unternehmerischen Erfolg, mehr Wachstum und Beschäftigung", sagte Präsident Ernst Fischer. Das Gastgewerbe sei besonders von der Ankurbelung der Binnennachfrage abhängig.Die deutschen Standardwerte reagierten in Frankfurt nur mit einem vorübergehenden Höhenflug. Händler erklärten, die Entscheidung für Bundestagswahlen sei an den Märkten erwartet worden. Nach Worten von SEB-Chefanlagestratege Klaus Schrüfer beschäftigt sich der Markt nun mit der Frage: "Wie sicher ist ein Regierungswechsel und wie wird die neue Regierung aussehen?"Keiner der Vorschläge der zwei großen Parteien zielt nach Einschätzung der Analystin Elga Bartsch von Morgan Stanley auf eine radikale Reform der politischen und ökonomischen Landschaft Deutschlands. Für eine Anpassung der langfristigen Wachstumsaussichten für Deutschland bestehe vor diesem Hintergrund kein Grund.

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