Für die Wirtschaft steht es 0,05 : 0

- München - Die Olympischen Spiele von 1972 brachten München einen Entwicklungs-Schub von historischer Dimension. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird sich dieser Effekt nicht wiederholen. Trotzdem sind die Erwartungen insbesondere an die wirtschaftlichen Impulse durch das Fußball-Ereignis in Deutschland hoch, wie eine Studie zeigt - vermutlich zu hoch, wie die Erfahrungen bei der Europa-Meisterschaft in Portugal nahe legen.

<P>"Nicht nur von einer positiven Grundstimmung, sondern auch von einer äußerst optimistischen Erwartungshaltung gegenüber der Fußball-WM" berichtet eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Die Forscher haben Entscheidungsträger aus Politik, Sport und Wirtschaft befragt. 78 Prozent von ihnen "zeigen sich überzeugt von der hohen oder sehr hohen Bedeutung der Fußball-WM 2006 für die deutsche Wirtschaft". 78 Prozent irren. Die WM wird überschätzt.</P><P>Die absoluten Zahlen machen Eindruck. Fußball-Weltmeisterschaften sind das populärste Fernseh-Ereignis der Welt, addiert man alle Spiele, wird 33 Milliarden Mal WM geguckt. Eine Million Besucher aus dem Ausland sollen in die Bundesrepublik kommen und hier Geld ausgeben. Besonders die Metropolen der jeweiligen Regionen _ etwa München _ werden wirtschaftlich positive Effekte verzeichnen, prophezeit die Studie: "Investitionen in die Sportinfrastruktur und der Zufluss an Kaufkraft durch die Konsumausgaben der ausländischen WM-Besucher erzeugen im Wirtschaftskreislauf Multiplikatorwirkungen und generieren so zusätzliches Einkommen." In erster Linie dürfen sich neben Stadionbauern die Tourismus- und Freizeit-Industrie sowie das Sicherheitsgewerbe auf die große Nachfrage-Welle freuen. Auch Gastronomie und Konsumgüter-Branche sowie privater Personenverkehr (etwa Taxi-Unternehmen) können mit deutlichen Mehreinnahmen rechnen. Für die Spielorte erwarten die Experten eine entscheidende Verbesserung des Standortimages.</P><P>München hat dabei nach Leipzig die zweitgrößte Chance unter den zwölf Austragungsstätten zu profitieren. Insgesamt steigt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2003 und 2010 der Studie zufolge um knapp acht Milliarden Euro. Dabei sollen pro Jahr 3850 neue Arbeitsplätze entstehen. Stolze Zahlen, ein Wirtschaftswunder ergeben sie nicht.</P><P>Nach der am vergangenen Wochenende zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft ist in Portugal nicht nur wegen der Finalniederlage der Gastgeber Ernüchterung eingekehrt. Das portugiesische Finanzministerium ermittelte, dass zwar die Tourismuseinnahmen heuer um 2,5 Prozent zulegen, aber das Bruttoinlandsprodukt des Landes wird durch die EM gerade mal um 0,08 Prozent gesteigert. Orientiert man sich an den Zahlen der Bochumer Studie, wird auch die Fußball-WM 2006 in Deutschland keinen großen wirtschaftlichen Schub bringen. Verglichen mit dem BIP von 2003 wäre der jährliche Zuwachs knapp 0,05 Prozent. Und die 3850 zusätzlichen Arbeitsplätze würden die Beschäftigtenzahl verglichen mit den 38,19 Millionen im vergangenen Jahr um 0,01 Prozent heben.</P>

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