Wirtschaft im Stimmungshoch: Aufschwung ist in vollem Gang

- München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist zum Jahreswechsel so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im Dezember stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex stärker als erwartet von 97,8 auf 99,6 Punkte. "Der Aufschwung ist in Gang gekommen", sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb in München. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) rechnet nach den jüngsten Konjunkturzahlen damit, dass sich "die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte". Trotz der Entspannung in den vergangenen Wochen bleiben Euro-Kurs und Ölpreis nach Einschätzung von Experten aber Risikofaktoren für die Konjunktur.

Das wichtigste Konjunkturbarometer in Deutschland stieg deutlich stärker als von Volkswirten und Analysten erwartet. "Die Unternehmen meldeten eine bessere aktuelle Geschäftslage und bewerteten auch ihre Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate aussichtsreicher als im November", berichtete Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Institut hatte wieder rund 7000 Unternehmen befragt. Der Ifo-Index kletterte bereits seit Mitte des Jahres nach oben, nur im November hatte es eine kleine Verschnaufpause gegeben.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbesserte sich zuletzt auf breiter Front. So profitiert die Industrie weiterhin von der guten Nachfrage aus dem Ausland. Auch in den Krisenbranchen gab es Lichtblicke. So war die Stimmung in der Baubranche erneut etwas weniger schlecht. Auch im Einzelhandel verbesserte sich, beflügelt durch ein gutes Weihnachtsgeschäft, das Geschäftsklima. "Mit größeren Anschaffungen halten sich die Konsumenten aber noch zurück", sagte Nerb.

Auch Wirtschaftsminister Glos hofft auf eine Belebung des Konsumklimas. Die deutliche Stimmungsverbesserung im Einzelhandel stimme zwar hoffnungsvoll. "Für eine grundlegende Trendwende muss allerdings der private Konsum noch an Stärke gewinnen, damit die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Zukunft noch stärker von der Binnennachfrage getragen wird."

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig Stiegler, meinte: "Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die maßgeblich von der SPD in die Große Koalition eingebracht wurden, beflügeln offensichtlich die Stimmung und Geschäftsaussichten der deutschen Wirtschaft und Finanzmärkte."

Nach Bekanntgabe des Geschäftsklimaindex am Vormittag legte der Deutsche Aktienindex Dax zeitweise um rund ein Prozent zu und erreichte mit rund 5350 Punkten im Tagesverlauf den höchsten Stand seit April 2002.

Im Dezember verbesserten sich sowohl der Lage- als auch der Erwartungsindex von 97,8 auf 99,6 Punkte. Sie erreichten damit exakt denselben Wert wie der Geschäftsklimaindex. "Das ist verblüffend", sagte Nerb. Letztmals lagen alle drei Indikatoren zusammen im Jahr 2000 so hoch. Die Hoffnungssignale deuten auch auf eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt hin. "Der Rückgang bei den Beschäftigungserwartungen ist zum Stillstand gekommen", berichtete Nerb. Vereinzelt werde auch wieder neu eingestellt.

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