Wirtschaft und Verbraucher bester Stimmung

- München/Nürnberg - Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland sind bester Stimmung. Dies zeigen der Geschäftsklima-index des ifo Instituts in München und die Konsumklima-Studie der GfK Marktforscher in Nürnberg. GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst warnte allerdings vor Euphorie. Der Aufschwung sei kein Selbstläufer. Und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger (Würzburg) mahnte: "An den harten Fakten lässt sich die positive Entwicklung noch nicht ablesen."

Nach den am Donnerstag veröffentlichten ifo-Daten ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft so gut wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Im Februar stieg der Geschäftsklimaindex überraschend von 101,8 auf 103,3 Punkte. "Der Aufschwung gewinnt an Breite", meinte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch die Binnennachfrage komme in Schwung. Das ifo Institut rechnet erstmals wieder mit mehr Arbeitsplätzen.

Das Institut ist überzeugt davon, dass sich die gute Stimmung schon bald in realen Wachstumszahlen niederschlägt. Im Schlussquartal 2005 hatte die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal nur stagniert. ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb sagte der dpa, schon im ersten Quartal werde man wohl Wachstum sehen. Es sei nun auch eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt in Sicht. "Es spricht einiges dafür, dass der Abbau von Arbeitsplätzen zum Stillstand gekommen ist." Die Antworten der Firmen deuteten vielmehr darauf hin, dass ein Beschäftigungsanstieg begonnen habe.

Die Stimmung der Verbraucher sei stabil wie seit Jahren nicht mehr, berichtete der Marktforscher GfK. Für März prognostizierten die Marktforscher einen Anstieg des Gesamtindikators für das Konsumklima auf 4,8 Punkte nach 4,6 Punkten im Februar. Wübbenhorst sagte der dpa, ein länger andauernder Streik im Öffentlichen Dienst könnte die Verbraucherstimmung jedoch beeinträchtigen. "Ich hoffe, dass sich die Tarifparteien schnellstmöglich zusammensetzen und eine Vereinbarung treffen", unterstrich er. Risikofaktoren für das Konsumklima seien auch die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit und mögliche EnergiePreissteigerungen. "Und dann kann natürlich ein doppeltes Fragezeichen dazukommen, wenn etwa die Vogelgrippe ausbricht."

Nach GfK-Angaben lagen alle Einzelindikatoren für das Konsumklima im Februar über dem langjährigen Durchschnitt von null Punkten. Der Indikator Konjunkturerwartung blieb mit einer Verringerung um 1,2 auf 22,3 Punkte weitgehend stabil. Er liegt mehr als 35 Punkte über dem Vorjahreswert. Der Indikator Einkommenserwartung verringerte sich ebenfalls leicht um 1,3 Punkte auf einen Wert von 3,2.

Auch wenn Deutschland im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent erreiche, "wäre dies immer noch das drittschlechteste Ergebnis der gesamten 90er Jahre", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bofinger, am Donnerstag der "Netzeitung". "Am Arbeitsmarkt wird sich bei einem solchem Wachstum nicht viel tun." Entscheidend für die Konjunktur in diesem Jahr seien die stark gestiegenen Energiepreise. Und er fügte hinzu, bis jetzt sei ein großer Teil des Energie-Preisanstiegs noch nicht beim Verbraucher angekommen.

Die anspringende Binnenkonjunktur ist nach Auffassung des CDU-Wirtschaftsexperten Matthias Wissmann noch zu schwach, um einen deutlichen Anstieg der Erwerbstätigkeit zu bewirken. Die Große Koalition werde deshalb die Rahmenbedingungen für eine verstärkte Investitionstätigkeit und zur Belebung des privaten Konsums schaffen. Nach Meinung des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig Stiegler, sollte angesichts der noch zu flauen Konsumlage die Lohnpolitik der Tarifpartner zumindest in florierenden Branchen - wie beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie - nachhaltig konsum- und wachstumsstützend ausgerichtet sein.

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