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Der sozialliberale Ex-Minister Emmanuel Macron sagte, Deutschlands wirtschaftliche Stärke sei "nicht mehr tragbar"". Foto: Christophe Ena

Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Wirtschaft weist Kritik Macrons an Exportstärke zurück

Deutschlands Exportüberschuss ist vielen Handelspartnern ein Dorn im Auge. Deutliche Kritik kommt jetzt auch vom französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron.

Berlin/Frankfurt (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat die Kritik des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron an ihrer Exportstärke zurückgewiesen.

Wirtschaftsverbände mahnten am Dienstag aber mehr Investitionen in Deutschland an, was die Importe stärken würde. "Der Exportüberschuss ist vor allem ein Beleg für die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Die Antwort kann aber nicht sein, dass wir die Starken schwächen."

Der Außenhandelsverband BGA mahnte, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dürfe nicht gefährdet werden. "Schließlich bestehen die deutschen Exportgüter mittlerweile zu etwa 40 Prozent aus Vorleistungsgütern, auch aus Frankreich", sagte BGA-Chef Anton Börner. Um Investitionen zu beschleunigen, müssten Genehmigungs- und Planungsverfahren deutlich verbessert werden. Auch aus Sicht des Maschinenbauverbandes VDMA ist der Exportüberschuss vor allem Ausdruck der Stärke der deutschen Industrie.

Macron hatte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt, Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist". Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. "Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden", sagte Macron, ohne konkreter zu werden.

Begünstigt wird der deutsche Export auch durch den schwachen Euro infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dadurch werden Waren "Made in Germany" tendenziell auf dem Weltmarkt günstiger, das kann die Nachfrage ankurbeln.

Nach Einschätzung von IW-Chef Michael Hüther ist Deutschland klarer Profiteur des Euro. Zugleich schaffe die Gemeinschaftswährung im Euroraum währungspolitische Stabilität, die letztlich Grundlage für nachhaltiges Wachstum sei. "Länder, die sich als Verlierer der Stärke Deutschlands sehen, sollten vielmehr ihre Chancen wahrnehmen, die ihnen das aktuelle Gerüst bietet", sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bezeichnete die Kritik Macrons dagegen als gerechtfertigt und ausgewogen. "Eine deutsch-französische Partnerschaft auf Augenhöhe erfordert von der Bundesregierung, Kritik aus Frankreich anzunehmen, eigene Fehler einzugestehen und diese Fehler zu beseitigen". Deutschland könne mit mehr Investitionen den Handelsüberschuss abbauen und somit das Wachstum in Deutschland stärken und Ungleichgewichte in Europa abbauen helfen.

Der deutsche Exportüberschuss wird seit längerer Zeit international angeprangert, unter anderem von US-Präsident Donald Trump. IWF-Chefin Christine Lagarde forderte Deutschland erneut auf, seine Exportüberschüsse für Investments in die Infrastruktur zu nutzen. Deutschland dringt dagegen auf weitere Reformen in ganz Europa. Der Euro könnte auch aus Sicht der USA möglicherweise unterbewertet sein, weil es im Süden Europas vielleicht einigen Nachholbedarf bei Reformen gebe, hieß es im Bundesfinanzministerium in Berlin.

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