Wirtschaft will Schwung mit ins neue Jahr nehmen - Konjunkturrisiken

München - Bayerns Wirtschaft will den Schwung aus dem Boom-Jahr 2007 mit ins neue Jahr nehmen. Zwar bekommen die Unternehmen auch im Freistaat Belastungen wie die hohen Ölpreise und die Dollar-Schwäche zu spüren, doch dürfte sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt mit gebremstem Tempo fortsetzen und die Industrie auch 2008 vom florierenden Export profitieren.

Das für Deutschland prognostizierte Wachstum von rund zwei Prozent wird Bayern 2008 damit voraussichtlich übertreffen, erwartet Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU). "Ich gehe für Bayern davon aus, dass wir 2,5 Prozent haben werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Das reiche auch aus, um weitere Jobs im Freistaat zu schaffen. Nachdem alleine 2007 rund 100000 neue Arbeitsplätze im Freistaat entstanden sind, nähern sich immer mehr Regionen im Freistaat der Vollbeschäftigung, sagte Müller. Es gebe gute Aussichten, die Arbeitslosenquote 2008 weiter zu drücken und im Jahresdurchschnitt einen Wert von unter fünf Prozent zu erreichen. Auch Wirtschaftsforscher wie das Münchner ifo Institut gehen davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen in den kommenden beiden Jahren weiter zurückgehen. Zweifelsohne seien die Risiken für die Wirtschaft auch angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten gestiegen, räumte die Ministerin ein. "Ich sehe aber nicht, dass sie uns aus der Bahn werfen. Dazu ist die Konjunktur zu robust."

Zur Stütze könnte sich dabei der bisher noch immer schwache Konsum entwickeln, weil die Menschen nach den höheren Tarifabschlüssen in diesem Jahr mehr Geld im Portemonnaie hätten, hofft die Ministerin. Auch bei vielen Unternehmen überwiegt die Zuversicht für 2008. Vor allem exportorientierte Branchen wie der Maschinen- und Anlagenbau erwarten nochmals deutliche Produktionszuwächse und können sich dabei auf ein dickes Auftragspolster stützen, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. In einzelnen Bereichen bremse allerdings der Fachkräftemangel bereits die Geschäfte, sagte Brossardt und nannte als Beispiel die Zerspanungsindustrie: "Da findet man niemanden mehr, das hemmt tatsächlich." Sorgen bereitet Brossardt auch die chronische Dollar-Schwäche, die gerade für Firmen, die in Dollar abrechnen, mittlerweile eine echte Belastung sei. "Es lässt sich nicht prognostizieren, wie sich das im nächsten Jahr auswirken wird."

2007 ist aus Sicht Brossardts "nahezu perfekt" gelaufen. Die meisten Branchen hätten nachhaltige Zuwächse verbucht - mit Ausnahme der Bauwirtschaft: "Das ist unser großes Sorgenkind. Daran wird sich aus meiner Sicht auch im nächsten Jahr nichts ändern." Die Mehrwertsteuererhöhung und die Abschaffung der Eigenheimzulage hätten die private Bautätigkeit ausgebremst, "die Branche wird fast ausschließlich vom gewerblichen Bau getragen", sagte Brossardt. Mit Verwerfungen in der Wirtschaft rechnen Brossardt und Müller auch, wenn es in weiteren Branchen zur Einführung der umstrittenen Mindestlöhne und zu Einschränkungen der Zeitarbeit kommt. "Ich bin der Auffassung, dass Mindestlöhne für uns nicht die Zukunft sein können", sagt die Ministerin. Das Beispiel des privaten Postdienstleisters PIN Group sei abschreckend und zeige, dass durch Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichtet würden.

Stattdessen sei ein Kombilohn-Modell zu befürworten, bei dem das Einkommen der Beschäftigten durch staatliche Leistungen aufgebessert wird. Dagegen spricht sich die IG Metall für einen flächendeckenden Mindestlohn von 7,50 Euro aus. "Wir können die ganzen Horror-Szenarien über die Arbeitsplätze, die damit angeblich vernichtet werden, nicht nachvollziehen", sagte ein IG-Metall-Sprecher. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Wochen auch davor gewarnt, dass die Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie zunehmend die Stammbelegschaften verdrängen. "Tatsache ist, dass in der Metall- und Elektroindustrie Jobs geschaffen werden", sagt der Sprecher. "Dass es nicht immer die Jobs sind, die wir uns wünschen, ist auch kein Geheimnis."

dpa

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