Wirtschafts-Kraft von innen: Deutsche Firmen investieren wieder

- München - Der Einstieg von Porsche bei VW zeigt den Standort Deutschland in einem neuen Licht. Nach der "Heuschrecken"-Debatte steht eine deutsche Beteiligung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. "In Deutschland tut sich wieder etwas", lautet das Urteil der Volkswirte. Experten sehen in diesem Schritt einen Impuls für andere deutsche Unternehmen, sich auf dem heimischen Markt umzuschauen. Gute Nachrichten könnten den Standort stärken. Ein Wiederaufleben der "Deutschland AG", ein in der Nachkriegszeit entstandenes enges Geflecht aus Banken und Industriekonzernen, sehen Volkswirte nicht.

"Nach den ausländischen Sanierern kommen jetzt die inländischen Sanierer", sagt der Chefvolkswirt-Europa der Bank of America, Holger Schmieding. "Deutschland ist wieder interessant geworden." Angloamerikanische Investoren schätzen schon länger die niedrigen Lohnstückkosten und Arbeitsmarktreformen. Viele sehen den "Standort D" positiver als die Deutschen selbst. Für die Wirtschaft und die Firmen seien der umfassende Wandel und die notwendigen Restrukturierungen allein kaum zu schaffen - deshalb müssten Partner her, die nun auch verstärkt aus Deutschland kommen könnten.

Experten sehen einen neuen Trend: Deutsche Firmen blättern für ein lohnendes Investment in Deutschland die prallen Sparbücher auf. Denn die "Kriegskassen" der Konzerne sind gut gefüllt. Nach einer Studie der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Mercer Management sowie dem "Handelsblatt" haben die börsennotierten Unternehmen allein im Geschäftsjahr 2004 rund 100 Milliarden Euro gehortet. "Die Phase der Kosteneinsparung geht dem Ende zu", sagt der leitende Volkswirt der Dresdner Bank, Rolf Schneider. In den 90er-Jahren habe Deutschland ein gravierendes Kostenproblem gehabt, sodass deutsche Firmen Produktion ins Ausland verlagerten und die Globalisierung zum obersten Ziel aller Firmenlenker wurde. "Heute sind die Standort-Bedingungen viel besser." Die Firmen fassten wieder Mut.

Schneider erwartet weitere innerdeutsche Kooperationen und Beteiligungen vom Aktienkauf bis zum Erwerb. Gleichzeitig hätten die Firmen bereits begonnen, wieder mehr in Ausrüstungen zu investieren. "Der eine oder andere Investor wird wachgerüttelt und wird sich auf dem Heimatmarkt umschauen", meint der Chefvolkswirt-Deutschland der Citigroup, Jürgen Michels. "Es könnte ein Umdenkprozess einsetzen. Die Deutschen müssen aufhören zu jammern und sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen."

Der Auto-Branchenexperte Helmut Becker sieht Daimler-Chrysler als "nächsten Kandidaten" für den Einstieg eines Großinvestors. Das Unternehmen sei als letzter deutscher Autohersteller von einer möglichen Zerschlagung durch Finanzinvestoren bedroht, sagte der frühere BMW-Chefvolkswirt vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Hier käme die mit BMW verbundene Familie Quandt als weißer Ritter in Frage.

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