Wirtschaftskrise trifft auch Studenten schwer

Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Uni nicht halt. Studenten
haben erhebliche Probleme, einen Job zu finden. Doch darauf sind gerade jetzt in den Semesterferien viele angewiesen – um ihr Studium zu finanzieren.

Im Januar ging es noch, sagt Thomas Schindler „Im Februar aber hatten wir einen Rückgang von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Schindler betreibt das Münchner Internet-Portal „jobcafe.de“. Drei Bewerber pro Studentenjob-Stelle waren in den vergangenen Jahren üblich. In diesem Jahr sei hingegen mit mindestens vier Anwärtern pro Arbeitsplatz zu rechnen – und zwar in allen Branchen.

Mit knapp 30 000 in der Datenbank registierten Studierenden ist „jobcafe“ der größte Arbeitsvermittler in München für Studenten. Angebote kommen von über 10 000 Kunden. In jüngster Zeit sei besonders die Nachfrage größerer Konzerne gesunken, erzählt Schindler. Die Beschäftigung der regulär Angestellten müsse schließlich erst einmal sicher gestellt werden. Etwas besser sieht es momentan noch bei kleineren Unternehmen aus. „Der Mittelstand ist nicht weggebrochen.“

BMW bestätigt: Werkstudenten spielen eine immer kleinere Rolle. „Studenten, die sechs Wochen kommen, um Geld zu verdienen, haben wir eigentlich nicht“, betont Michael Rebstock, Pressesprecher des Autobauers. Dies sei aber nur zum Teil der Krise geschuldet. Qualifikation, effiziente Abläufe und Schichtmodelle haben den Bedarf an Werkstudenten deutlich verringert.

Ilona Schwiermann, Theologiestudentin und Vorsitzende im Fachschaftskonvent der LMU, hat persönlich noch keinen Abwärtstrend wahrgenommen. Die Zahlen des „jobcafes“ alarmieren sie jedoch: „Die Studiengebühren machen es notwenig, dass viele Studenten arbeiten.“ Weniger Jobs bedrohten also deren Studienfinanzierung. Allerdings habe man in München wohl noch bessere Chancen, eine Stelle zu finden, als in kleineren Uni-Städten wie Passau oder Coburg.

Genau kann allerdings niemand sagen, wie der Münchner Arbeitsmarkt für Studenten aussieht. Die Agentur für Arbeit bietet zwar explizit Studentenjobs an, führt über diese aber keine Statistik. Stellenangebote gibt es auch bei einer Vielzahl von privaten Onlineportalen. Dazu kommen Jobs, die nur durch Aushänge in der Mensa oder über private Kontakte vergeben werden.

Entgegen dem allgemeinen Trend beschäftigt Siemens auch in diesem Jahr zahlreiche Studenten. „Das ist Tradition bei uns. Außerdem hat das auch einen Rekrutierungsaspekt“, erklärt Sprecher Karlheinz Groebmair.

Alle Studenten, die für diese Semesterferien keinen Job ergattern können, müssen sich frühzeitig um eine Stelle für die Sommerferien bemühen. Thomas Schindler rechnet damit, dass es erst ab Herbst wieder bergauf geht. Im Sommer könnte der Andrang noch größer werden. Studenten-Sprecherin Schwiermann jedoch baut auf die warme Jahreszeit: „In der Biergarten-Saison werden mehr Kellner gesucht als jetzt im Winter.“

von Sascha Wittich und Kolja Kröger

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