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Bayerns Bruttoinlandsprodukt kann locker mit dem vieler selbständiger Staaten mithalten. Doch für die Spitzengruppe reicht es auch im Freistaat nicht.

Wirtschaftsleistung

Bayerns zwischen Schweiz und Schweden

München - Wie stellt sich die Wirtschaftsleistung der deutschen Bundesländer im internationalen Vergleich dar? Wir haben die Daten verglichen – mit überraschenden Ergebnissen.

Auf den ersten Blick könnten die Einwohner Nordrhein-Westfalens stolz auf ihren Wohlstand sein. Vergleicht man das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des größten deutschen Bundeslandes (nach Einwohnern) mit dem selbständiger Staaten, kann es fast mit Saudi-Arabien mithalten. Das ehemalige Industrierevier erbringt die gleiche Wirtschaftsleistung wie das ölreiche Wüstenkönigtum. Wie kann das sein? Warum kommen nicht ganze Großfamilien aus Bottrop jedes Jahr für mehrere Wochen zum Shoppen nach München? Ganz einfach. Das BIP als üblicher Maßstab für solche Vergleiche steht für die Wirtschaftsleistung eines Landes – das was dort wirklich erwirtschaftet wurde – also eher für den Fleiß einer Bevölkerung als für dessen Reichtum. Das Öl, das aus dem arabischen Boden rinnt und nicht direkt an Endverbraucher verkauft wird, zählt eben nicht dazu.

Anders sähe es beim Bruttosozialprodukt aus, das auch Bruttonationaleinkommen heißt – und eigentlich der bessere Maßstab für den Reichtum ist. Aber das ist als internationaler Vergleichsmaßstab schon seit Langem abgelöst worden.

Noch deutlich schlechter schneidet Saudi Arabien übrigens beim BIP pro Kopf der Bevölkerung ab – es spielt dann nur noch in einer Liga mit Thüringen. Wir haben die Wirtschaftsleistung der deutschen Bundesländer verglichen und in unserer Karte deren Namen mit denen von Ländern kombiniert, die ihnen beim BIP relativ nahe kommen. Einmal (bei der linken Karte) geht es um die Wirtschaftsleistung des gesamten Landes, in der zweiten Karte (rechts) um die Wirtschaftsleistung pro Kopf der Bevölkerung – eine Zahl die ja aussagekräftiger ist, weil sie nicht größere Länder gegenüber den kleinen bevorzugt.

Die Daten sind nicht brandaktuell. Die jüngsten weltweit verfügbaren stammen aus dem Jahr 2013.

Bayern liegt mit einigem Abstand hinter der Schweiz und vor Schweden – gewissermaßen auf Platz 20,5 der Welt. Pro Kopf der Bevölkerung rückt der Freistaat sogar noch fünf Plätze weiter nach vorne zwischen Irland und Island. Nur Hessen steht – wohl wegen der starken Bankenmetropole Frankfurt – unter den deutschen Flächenländern noch ein Stück besser da und hat Irland überholt. Unschlagbar im innerdeutschen Pro-Kopf-Vergleich sind die beiden selbstständigen Hansestädte: Bremen steht auf Augenhöhe mit Kanada, das weltweit Platz zehn belegt und Hamburg könnte sich gleich hinter Australien auf Platz sechs einordnen.

Deutlich besser schlagen sich auf der Welt nur noch Luxemburg (Platz eins), Norwegen (Platz zwei), Katar (Platz drei) und die Schweiz (Platz vier). Mit diesen Wirtschaftsmächten kann kein deutsches Bundesland mithalten.

Noch vor einigen Monaten wären viele deutsche Länder besser dagestanden. Da die internationalen Vergleichslisten auf Basis des US-Dollars erstellt wurden, die deutschen aber auf Euro-Basis, hat der jüngst gesunkene Wert des Euro auch die Vergleichsdaten der deutschen Bundesländer geschwächt. Wir haben unseren Berechnungen einen Kurs von 1,20 US-Dollar pro Euro zugrundegelegt. Doch selbst bei einem Umrechnungskurs von 1,40 Dollar hätte Hamburg den Anschluss an die Schweiz immer noch verpasst. Bayern allerdings wäre bei diesem Kurs beim BIP pro Kopf der Bevölkerung ganz knapp vor den USA (Platz neun) gelandet.

Martin Prem

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