Wirtschaftsmacht: Firmenkäufer aus China schlagen in den USA zu

- New York - Die chinesischen Unternehmen sind nach jahrelangen nur sehr bescheidenen Firmenaufkäufen im Ausland plötzlich in großem Stil auf dem Vormarsch. Das Übernahmeangebot von 18,5 Milliarden Dollar (15,3 Mrd. Euro) für den amerikanischen Ölkonzern Unocal durch die CNOOC, eine Tochter der zu 70 Prozent staatlich kontrollierten China National Offshore Oil Corp., hat in Washington und an der Wall Street für Aufregung gesorgt. Die China National Offshore hatte bereits große Öl- und Erdgasvorkommen in Australien, Indonesien und anderen Ländern gekauft.

Vor wenigen Tagen hatte der größte chinesische Haushaltsgerätehersteller Qingdao Haier, assistiert von zwei US-Investmentfirmen, knapp 1,3 Milliarden Dollar für den drittgrößten amerikanischen Haushaltsgeräteanbieter Maytag geboten. Die Übernahme der riesigen IBM-PC-Sparte durch den chinesischen PC-Branchenführer Lenovo für 1,75 Milliarden Dollar war erst kürzlich über die Bühne gegangen. Werden auch die Unocal- und die Maytag-Transaktion realisiert, hätten chinesische Gesellschaften mit Hilfe von Billigkrediten staatlicher Banken und eigenen vollen Kassen in diesem Jahr mehr als 20 Milliarden Dollar in den USA investiert.In Kanada hatte der chinesische Metallkonzern China Minmetals kürzlich vergeblich versucht, den riesigen Metall- und Bergwerkskonzern Noranda zu schlucken. Der chinesische Telekomausrüster Huawei Technologies zieht eine Offerte für die britische Marconi-Gruppe in Erwägung, berichtete das "Wall Street Journal". Der chinesische Autohersteller Shanghai Automotive Industry könnte nach Darstellung der Zeitung der Übernahme der südkoreanischen Autofirma Ssanyong Motor den Kauf von "Design-Boutiquen in Italien und Deutschland" folgen lassen.US-Politiker beider Parteien reagieren auf die plötzliche Auslandsoffensive der Chinesen mit Sorge. Sie und die US-Gewerkschaften lamentieren bereits seit geraumer Zeit lautstark über das monumentale US-Handelsbilanzdefizit mit China und über die Massenabwanderung industrieller Arbeitsplätze in das fernöstliche Wirtschaftswunderland. Sie wollen Strafzölle von 27,5 Prozent auf Importe aus China einführen, falls das Land nicht innerhalb eines halben Jahres seine Währung an den Devisenmärkten frei schwanken lässt. Bisher ist die chinesische Währung fest an den Dollar gebunden, um Exportvorteile zu sichern.Jetzt sieht es ganz danach aus, als wollten China und seine großen Unternehmen ihre wachsende Wirtschaftsmacht nutzen, um im Ausland durch Akquisitionen fremder Firmen zu expandieren. Dabei geht es nicht nur um die vorrangige Energie- und Rohstoffsicherung, sondern auch um den Kauf ausländischer Gesellschaften vieler anderer Branchen.

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