Wirtschafts-Nobelpreis für die Spieltheorie

- Stockholm - Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an den 84-jährigen Thomas C. Schelling aus den USA und den neun Jahre jüngeren Israeli Robert J. Aumann für grundlegende Beiträge zur Spieltheorie. Wie die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte, haben beide die mit zehn Millionen Kronen (1,1 Mio. Euro) dotierte Auszeichnung ür ihre Arbeiten "zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation" mittels der Spieltheorie zuerkannt bekommen.

In der Begründung für die Preisvergabe hieß es, Aumann und Schelling hätten der Spieltheorie zum Durchbruch weit über die Grenzen der Volkswirtschaftslehre hinaus verholfen. Dabei habe Schelling ab Mitte der Fünfzigerjahre vor allem "originelle Gedanken und Begriffe mit einem Minimum an mathematischer Technik" entwickelt.

Aumann (siehe auch "Gesicht des Marktes") habe im Gefolge vor allem für mathematische Analysewerkzeuge gesorgt. "Das hilft uns, wirtschaftliche Konflikte wie etwa Preis- oder Handelskriege zu verstehen oder auch die Frage, warum bestimmte Gemeinschaften erfolgreicher allgemein zur Verfügung stehende Ressourcen verwalten als andere", hieß es.

Der Sekretär des Nobelkomitees, Peter Englund, sagte: "Wir haben hier ein enorm ungleiches Paar ausgezeichnet." Zum langen Zeitraum bis zur Zuerkennung des Preises meinte Englund: "Ihre Modelle mussten sich ja erst in der Realität bewähren."

1994 war der Bonner Ökonom Reinhard Selten (75) ebenfalls für Arbeiten zur Spieltheorie zusammen mit zwei US-Kollegen als bisher einziger Deutscher mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden. Zur Vergabe an Aumann sagte Selten in Bonn: "Das ist relativ unerwartet. Aber ich hatte eigentlich schon damals geglaubt: Wenn ein Spieltheoretiker den Nobelpreis bekommt, dann Aumann. Ich kenne ihn noch viel besser als Schelling. Er ist ein Freund." Die Verleihung an Schelling sei eher eine Überraschung.

Schelling lehrt seit seiner Erimitierung von der Harvard-Universität in New York an der Universität des US-Bundesstaates Maryland. Damit ging der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften seit der ersten Vergabe in 43 von 57 Fällen an Wissenschaftler von US-Universitäten. Er wurde noch nie einer Frau zuerkannt und gilt auch als heftig umstritten, weil er nicht wie alle anderen Nobelpreise auf das Testament von Alfred Nobel (1833-1896), sondern auf eine Stiftung der schwedischen Reichsbank 1968 zurückgeht.

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