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Grundlegende Veränderungen sind nicht zu erwarten (im Bild Anzeigetafel an der Frankfurter Börse). Doch die bestehenden Risiken an den Aktienmärkten dürften im neuen Jahr eher wachsen, die Kursschwankungen eher zunehmen.

Kursschwankungen

Wirtschaftsprognose: Anleger brauchen 2016 gute Nerven

München - Wer im vergangenen Jahr auf Aktien setzte, schnitt per Saldo gut ab. Allerdings waren die zwischenzeitlichen Kursschwankungen hoch. Auch 2016 werden Anleger gute Nerven brauchen.

„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, heißt es. Und das gilt ganz besonders für die Kapitalmärkte. Dennoch versuchen die Analysten jeweils zum Jahresende, die Entwicklung von Dax und Co. vorherzusagen. Im vergangenen Jahr hatten die Experten den deutschen Leitindex Dax Ende 2015 im Schnitt bei rund 11 000 Punkten erwartet. Davon ist das Aktienbarometer derzeit zwar rund fünf Prozent entfernt. Doch viel wichtiger ist, dass die meisten Anlageprofis damals empfahlen, auf Aktien zu setzen. Und damit lagen sie richtig. Allerdings gab es zeitweise immens hohe Kursschwankungen. Denn das Jahr 2015 war alles andere als ein ruhiges Börsenjahr. Im Frühjahr belastete die drohende griechische Staatspleite die Märkte. Im Sommer waren es die Zweifel über die Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft, die den Dax zwischenzeitlich bis auf 9450 Punkte einbrechen ließen.

Die alten Risiken sind auch die neuen

Belastungsfaktoren waren aber auch der Preiseinbruch an den Rohstoffmärkten, schlechte Wirtschaftsdaten aus den Schwellenländern und die erwartete Zinswende in den USA, die im Dezember dieses Jahres kam. Die Folge waren immer wieder zunehmende Kursausschläge. Und damit sollten Anleger auch 2016 rechnen. Gründe dafür gibt es reichlich. Schließlich gibt es zahlreiche geopolitische Spannungen in der Welt, der Ölpreis fällt derzeit immer tiefer, in den USA stehen Wahlen an und es stellt sich die Frage, wie die Zinspolitik der einzelnen Notenbanken aussehen wird.

Weltwirtschaft wächst nur moderat

Die Experten der Privatbank M.M. Warburg verweisen zudem auf das moderate globale Wachstum, bei dem der Sicherheitsabstand zu einem möglichen Abgleiten in eine neue Rezession gering sei. Jedes Mal, wenn enttäuschende Wirtschaftsdaten kommen, kann es zu heftigen Kursverlusten kommen. Dennoch gibt es gute Gründe weiter auf Aktien zu setzen. Mark Haefele, Global Chief Investment Officer bei der UBS, meint, dass Aktien im Jahr 2016 unter anderem von „von steigenden Firmengewinnen, gesunden Unternehmensbilanzen und dem fortgesetzten Stimulus der Notenbanken unterstützt werden dürften.“ Dabei sind vor allem die anhaltend niedrigen Zinsen – zumindest im Euroraum – ein klarer Pluspunkt für Aktien. So wirft Tages- oder Festgeld derzeit kaum nennenswerte Zinsen ab, während eine zehnjährige Bundeanleihe nur 0,55 Prozent bringt. Und steigen die Zinsen, dann drohen bei festverzinslichen Wertpapieren Kursverluste.

Aktien keine Schnäppchen mehr

So gut wie alle Experten empfehlen deshalb unbedingt Aktien dem Portfolio beizumischen. Allerdings müssen Anleger sehr genau hinschauen, wo sie investieren. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nämlich sind viele Aktienmärkte keine Schnäppchen mehr. So beträgt das durchschnittliche KGV der vergangenen zehn Jahren für den MDax rund 15, derzeit aber liegt es über 18. Der US-Aktienindex S&P 500 wird derzeit mit dem 17fachen der Gewinne bewertet, der Mittelwert aber beträgt rund 14. Günstiger sind im Vergleich dazu zwar Aktien aus den Schwellenländern. Doch warnen die Experten der Berenberg Bank hier noch zur Vorsicht. Denn viele Firmen leiden dort unter den niedrigen Rohstoffpreisen, weshalb die Gewinnmargen zuletzt unter Druck gerieten.

Trotz der zum Teil nicht mehr ganz günstigen Bewertung empfehlen die meisten Anlageprofis deshalb Titel aus den Industriestaaten und hier insbesondere aus Europa. „Schließlich“, so schreiben die Analysten der Berenberg Bank, „stehen diese in Bezug auf die ordentlichen Erträge, wie Dividenden, günstiger da.“ Tatsächlich liegt die Dividendenrendite des S&P 500 für 2016 bei rund 2,3 Prozent. Beim EuroStoxx 50 sind es rund vier Prozent. Wohin sich die Kurse bewegen, hängt aber maßgeblich von den Unternehmensgewinnen ab. Die Experten von M.M. Warburg rechnen hier mit einem Anstieg um fünf Prozent und gestehen dem Dax damit ein Potenzial bis etwa 12 000 Punkte zu.

Andere Marktbeobachter sind da weniger optimistisch. „Das eingegangene Risiko bei Anleihen wie auch bei Aktien wird in Anbetracht potenzieller Rückschläge nicht mehr angemessen belohnt“, meint zum Beispiel Christian Kahler, Chef-Anlagestratege der DZ Bank. Die aktuelle Bewertung des Dax hält er nur für gerechtfertigt, wenn auch die Gewinne dynamisch zulegen. „Wir sehen aber eine Stagnation auf solidem Niveau“, sagt er. Er erwartet dementsprechend für Ende 2016 auch nur einen geringen Dax-Anstieg bis auf 11 000 Punkte. Allerdings könnten die Notenbanken, und hier vor allem die EZB, über eine noch expansivere Geldpolitik für zwischenzeitlich starke Kursanstiege sorgen.

Gefahr der Übertreibung

Für Aktienanleger wäre das zwar positiv, aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Denn die Risiken werden damit nicht geringer. „Im Gegenteil“, meint Alexander Krüger, Chef-Ökonom vom Bankhaus Lampe, „steigt durch eine zu expansive Geldpolitik das Risiko von Fehlallokationen von Kapital.“ Die Gefahr von Übertreibungen am Markt und dass es infolgedessen zu einem regelrechten Crash kommt, nimmt dann also zu. Anleger werden also bei Aktien im Jahr 2016 nicht nur sehr genau hinsehen müssen, sie werden auch gute Nerven brauchen.

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