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Wirtschaftswachstum im dritten Quartal etwas schwächer als erwartet

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Container stehen im Hamburger Hafen
Container stehen im Hamburger Hafen © Georg Wendt / dpa

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal etwas weniger stark gewachsen als zunächst geschätzt.

Wiesbaden - Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem zweiten Quartal um 1,7 Prozent, das waren 0,1 Prozentpunkte weniger als in den vorläufigen Berechnungen von Ende Oktober. Mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung drückt vor allem die vierte Corona-Welle die Erwartung von Konjunkturforschern.

Im dritten Quartal von Juli bis September wurde das Wachstum vor allem von höheren privaten Konsumausgaben getragen, die gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 6,2 Prozent zulegten. Der Staat hingegen reduzierte seine Konsumausgaben um 2,2 Prozent.

Außerdem wurde im dritten Quartal auch weniger investiert als im Dreimonatszeitraum zuvor: Die Investitionen in Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - sanken um 3,7 Prozent, die Bauinvestitionen um 2,3 Prozent. Zudem nahm der Handel mit dem Ausland ab: Von Juli bis September wurden bereinigt 1,0 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im zweiten Quartal. Die Importe sanken um 0,6 Prozent.

Im Vorjahresvergleich lag das BIP bereinigt um 2,5 Prozent höher als im dritten Quartal 2020. Der Aufholprozess nach den historischen Rückgängen 2020 setzte sich somit fort - allerdings "abgeschwächt", wie die Statistikbehörde erklärte. Im zweiten Quartal dieses Jahres war das BIP im Vorjahresvergleich zweistellig um revidiert 10,4 Prozent gestiegen.

Einen Schatten auf die weitere Entwicklung wirft nach Einschätzung von Konjunkturforschern nun die vierte Corona-Welle. Im laufenden Quartal bis Jahresende dürfte die Konsumerholung zu einem Ende kommen, prognostizierte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. "Die neue Infektionswelle und neue Kontaktbeschränkungen werden den Konsum dämpfen, und wir könnten hier sogar ein Minus sehen."

Die Hoffnung sei, "dass sich im Gegenzug die Industrie etwas besser entwickelt, weil sich die Lage bei den Vorprodukten allmählich entspannt", fügte Dullien hinzu. Derzeit erwarte das IMK für das Jahresendquartal eine Stagnation der Wirtschaft. Für das Gesamtjahr 2021 ergäbe sich damit ein Wirtschaftswachstum von etwas mehr als 2,5 Prozent. Die Bundesregierung geht in ihrer Herbstprojektion für 2021 von einem BIP-Anstieg um 2,6 Prozent aus.

Dullien verwies zugleich darauf, dass die Bundesbürgerinnen und -bürger in der Corona-Krise "sehr viel Geld zurückgelegt" hätten, was dann im kommenden Jahr zumindest zum Teil in den Konsum fließen und das Wachstum dann wieder ankurbeln dürfte. Hinzu komme, dass die öffentlichen Investitionen nach dem am Mittwoch vorgestellten Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien vermutlich anziehen.

"Auch die Erhöhung des Mindestlohns - wenn sie denn schon im Laufe des Jahres 2022 in Kraft tritt - dürfte den Konsum stützen", erklärte der IMK-Forscher. SPD, Grüne und FDP wollen den gesetzlichen Mindestlohn auf zwölf Euro erhöhen.

Der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths, erklärte am Donnerstag ebenfalls, dass für das vierte Quartal 2021 und ebenso für das erste Quartal 2022 "allenfalls noch eine Stagnation" zu erwarten sei. Möglich seien aber auch "moderate Rückgänge". Während die Industrie weiter durch Lieferengpässe gehemmt werde, drohe durch die vierte Corona-Welle "vor allem für die kontaktintensiven Dienstleister neues Ungemach".

jm/ilo

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