Die Wirtschaftsweisen haben ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft heruntergeschraubt.
+
Die Wirtschaftsweisen haben ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft heruntergeschraubt.

Sorge vor dritter Corona-Welle

Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose für 2021 - und drängen auf höheres Impftempo

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Wachstumserwartungen für Deutschland heruntergeschraubt – und nehmen die Politik beim Thema Impfen in die Pflicht. 

Berlin – Wegen der anhaltenden Corona*-Krise haben die obersten Wirtschaftsberater der Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für 2021 gesenkt. Für das erste Quartal erwarten die Wirtschaftsweisen sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund zwei Prozent. Das teilte der Sachverständigenrat am Mittwoch (17. März) mit.

Wirtschaftsweise schrauben Erwartung für 2021 herunter

Für das laufende Jahr erwartet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland um 3,1 Prozent. Damit haben die Experten ihre bisherigen Erwartungen - wie zuvor bereits angekündigt - heruntergeschraubt. In der im November vorgelegten Prognose waren die Experten noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,7 Prozent für 2021 ausgegangen.

Nach einem Einbruch der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent rechnet die Bundesregierung im Moment mit einem Wachstum um 3,0 Prozent im Jahr 2021. Auch die Bundesregierung hatte ihre Prognose gesenkt.

„Sobald es gelingt, das Infektionsgeschehen effektiv zu begrenzen und größere Anteile der Bevölkerung zu impfen, dürften sich die von den Kontaktbeschränkungen oder Schließungen stark betroffenen Dienstleistungsbereiche wie das Gastgewerbe oder der stationäre Einzelhandel wieder beleben“, erklärte der Wirtschaftsweise Achim Truger. „Dies dürfte zu einem kräftigeren Wachstum beitragen.“

Wirtschaftsweise: Dritte Infektionswelle größtes Risiko für Konjunktur

Als größtes Risiko für die Konjunktur in Deutschland sehen die Experten eine mögliche dritte Infektionswelle - und zwar dann, wenn diese zu Einschränkungen oder gar Betriebsschließungen in der Industrie führen würde. Im Frühjahr mussten Fabriken ihre Produktion einstellen, auch weil internationale Lieferketten unterbrochen waren. Das hatte zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung geführt.

Derzeit gehe es mit der Industrieproduktion aufwärts, so der Sachverständigenrat. Die internationalen Lieferketten seien bisher weitgehend intakt, die Nachfrage nach Waren aus Deutschland steige mit der fortschreitenden Erholung der Weltwirtschaft.

Wirtschaftsweise drängen auf höheres Impftempo

Das Gremium forderte die Politik auf, das Tempo bei den Impfungen zu erhöhen. „Damit Deutschland das EU-Ziel, 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, bis Ende September 2021 erreicht, muss die aktuelle Anzahl der täglichen Impfungen in den Impfzentren um 50 Prozent gesteigert werden“, so die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Haus- und Fachärzte sollten demnach in den Impfprozess einbezogen werden.

Die Politik plant dies - unklar ist aber derzeit, ab wann. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät die Politik. Die Experten werden umgangssprachlich auch als die „Wirtschaftsweisen“ bezeichnet. (dpa/utz) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare